Familienbildung, Beratung und Begleitung

Fakten und Argumente

Durch Maßnahmen der Familienbildung, Beratung und Begleitung sollen Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte insbesondere darin gestärkt werden, ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen und Konflikte lösen zu können. Ein zukunftsfähiges Angebot für Familien soll niedrigschwellig sein, sich am realen Alltag von Familien orientieren und die Besonderheiten unterschiedlicher Familienformen berücksichtigen.

Bei der Entwicklung von Angeboten zur Familienbildung, Beratung und Begleitung können die folgenden Grundsätze hilfreich sein.

Je früher, desto besser

Familienbildung, Beratung und Begleitung haben dann die größte Wirkung, wenn Familien die Möglichkeit haben, die Angebote zu einem frühen Zeitpunkt in Anspruch zu nehmen. Ziel eines präventiven Ansatzes ist es, so früh wie möglich Unterstützung anzubieten und die Eigenkompetenz der Familien zu stärken. Grundsätzlich gilt: je früher, desto besser.

Während Familienbildung bereits dort ansetzt, wo Familien sich auf Veränderungen vorbereiten, kommen Beratung und Hilfen dann zum Einsatz, wenn eine belastende Situation aufgetreten ist. Beratung und konkrete Hilfen wirken in Krisen stabilisierend und können negative Auswirkungen verhindern oder abmildern.

Eine Vielzahl von Trägern bietet ein breites Angebot an, das jedoch nicht alle Familien erreicht. Dies mag unterschiedliche Ursachen haben wie die fehlende Ausrichtung am Bedarf der Zielgruppen, nicht genügend oder nicht zielgruppenspezifisch adressierte Informationen, mangelnde Erreichbarkeit oder zu hohe Kosten.

Zentrale Anlaufstellen

Damit Familien nicht lange nach der für sie passenden Unterstützung suchen müssen, sind zentrale Informations- und Anlaufstellen geeignet, um Familien schnell und unbürokratisch über das vorhandene Angebot zu informieren, eine Unterstützung zu vermitteln oder bei der Beantragung von Hilfen zu begleiten. Diese zentrale Anlaufstelle hat parallel die wichtige Funktion, den Bedarf von Familien zu analysieren und die Entwicklung neuer Angebot anzuregen.

Die Möglichkeiten der Umsetzung einer solchen zentralen Anlaufstelle reichen von einer zentralen Rufnummer der Kommune bis hin zu einem Familienbüro oder einem Familienzentrum, das für alle Familien offen steht. Wesentlich ist, dass ein niedrigschwelliger Zugang gegeben ist.

Niedrigschwelliger Zugang für alle

Familienbildung, Beratung und Hilfen können dann frühzeitig und von möglichst vielen Familien angenommen werden, wenn sich die Angebote am realen Alltag der Familien orientieren. Ein erster Erfolg von Angeboten misst sich zunächst daran, wie Familien Zugang zu diesen Angeboten finden.

Niedrigschwellige Angebote erfüllen z.B. folgende Voraussetzungen:

Niedrigschwelligkeit ist beispielsweise gegeben, wenn eine Erziehungsberatungsstelle kostenlose Sprechstunden in Kindertageseinrichtungen anbietet, in denen Eltern täglich ein- und ausgehen. Die Sprechstunden orientieren sich an den Zeiten, zu denen Eltern ihre Kinder in die Einrichtungen bringen oder von dort abholen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich und es werden keine Gebühren erhoben.

Zur Entwicklung passender Angebote dient die Handlungsempfehlung des Deutschen Vereins zum niedrigschwelligen Zugang zu familienunterstützenden Angeboten in Kommunen (PDF).

Spezifische Angebote für unterschiedliche Zielgruppen

Die vielfältigen Familienformen und Familienphasen können nicht mit einheitlichen Angeboten angesprochen werden. Um möglichst viele Familien zu erreichen, ist es daher wichtig, auf bestimmte Zielgruppen mit spezifischen Angeboten zuzugehen. So sind Familien mit Migrationshintergrund oder die Zielgruppe der Väter mit den klassischen Angeboten der Familienbildung schwer zu erreichen. Ein gezieltes Angebot der Beratung und Begleitung für Väter in Trennung und Scheidung ist hier ein Beispiel für ein zielgruppenspezifisches Angebot, das sich sowohl an einer bestimmten Familienform, als auch an einer spezifischen Familienphase orientiert.

Netzwerke

Zukunftsfähigkeit und gute Qualität von Angeboten kann am Besten durch Kooperationen verschiedener Fachgebiete und Institutionen erzielt werden. Angebote, die von verschiedenen Kooperationspartnern gemeinsam entwickelt und durchgeführt werden, haben viele Vorteile: höhere fachliche, zeitliche, räumliche und finanzielle Ressourcen, Zugang zu einer größeren Zielgruppe und ein breiteres, flexibleres Angebot.

Beispielsweise erreichen Kooperationen zwischen Hebammen, Ärzten, Beratungsstellen und den Institutionen der Familienbildung junge Familien schon sehr früh und bieten bereits in der Familiengründungsphase die individuell notwendige Unterstützung an. Ein weiteres Beispiel sind Kooperationen zwischen Kindergärten, Familienbildung und Beratung, welche die Entwicklungsförderung unterstützen und frühe Unterstützung bei Erziehungsfragen ermöglichen.

Familienzentren und Familiencafés, die zu unverbindlichen Treffen einladen, können parallel Orte der Information, Bildung und Beratung sein, an denen unterschiedliche Träger ihre Angebote in Form von Veranstaltungen, Sprechstunden oder ähnlichem anbieten.

Beteiligung

Die erfolgreichsten und zukunftsfähigsten Angebote für Familien sind oftmals die Angebote, die mit Familien gemeinsam entwickelt und durchgeführt werden. Die möglichen Beteiligungsformen reichen von planerischen Kooperationen über die Förderung von Initiativen der Selbsthilfe bis hin zu Patenschaftsprojekten.

Kommunen können durch Veranstaltungen wie z.B. durch Zukunftswerkstätten, durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten oder durch eine Koordinationsstelle für bürgerschaftliches Engagement Beteilung fördern und Netzwerke initiieren.

Anhaltspunkte für eine familienfreundliche Kommune

Die baden-württembergischen Lokalen Bündnisse für Familien haben in ihrer gemeinsam mit der FamilienForschung, dem Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg entwickelten »Handreichung Familienfreundliche Kommune« Kriterien und Fragestellungen aufgeführt, an denen sich auch die weitere Gestaltung von Familienbildung und Angeboten der Beratung und Begleitung für Familien orientieren kann. Kriterien und Fragestellungen für eine Bestandsaufnahme der Angebote sind beispielsweise: