Familienfreundliche Kommune
Stuttgart, 13.07.2009
Dass beide Eltern erwerbstätig sind, ist für viele Familien heute eine Selbstverständlichkeit - spätestens, wenn das jüngste Kind im Kindergartenalter ist, steigen die meisten Frauen wieder in den Beruf ein. Nach Auswertungen des Mikrozensus 2007 gehen 64 % der Mütter, deren jüngstes Kind 3 bis unter 6 Jahre alt ist, in Baden-Württemberg einer Erwerbstätigkeit nach. Den täglichen Balanceakt zwischen Familie und Beruf erleben viele Mütter und zunehmend auch Väter allerdings nach wie vor als Herausforderung. Elternbefragungen zeigen, dass die Mehrheit der Eltern der Meinung ist, dass sich beide Lebensbereiche nach wie vor nur schwer vereinbaren lassen. Besonders kritisch ist die Phase des beruflichen Wiedereinstiegs nach der Elternzeit. Der neue Report Familien in Baden-Württemberg zum Thema "Elternzeit, Elterngeld und beruflicher Wiedereinstieg" bietet eine Zusammenstellung aktueller Ergebnisse rund um die Erwerbstätigkeit von Müttern, eine erste Bilanz zum Elterngeld, eine Analyse zu den Umständen des Wiedereinstiegs sowie möglichen Unterstützungsangeboten.
Durch die Einführung des Elterngeldes ist das Engagement von Vätern in der ersten Zeit nach der Geburt selbstverständlicher geworden. In der Tendenz zeichnet sich eine steigende Inanspruchnahme der Partnermonate ab. Nach neuesten Auswertungen des Statistischen Bundesamts bezogen für im Januar und Februar 2008 geborene Kinder in knapp 30 % der Fälle sowohl der Vater als auch die Mutter Elterngeld.
Auch in Unternehmen wird eine steigende Bereitschaft von Vätern wahrgenommen, sich familiär stärker zu engagieren. Befragungen zeigen, dass etwa ein Fünftel der Geschäftsführer und Personalverantwortlichen in Wirtschaftsunternehmen in Deutschland der Meinung ist, dass seit der Einführung des Elterngeldes mehr Väter Teilzeit arbeiten wollen als vorher. Nach Einschätzungen von Wiedereinsteigerinnen haben laut einer aktuellen Sinus Sociovision-Studie bisher allerdings erst etwa 7 % der Männer ihre Arbeitzeit zugunsten der Berufstätigkeit ihrer Partnerin reduziert. Dies deutet darauf hin, dass die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf zunehmend auch ein Väterthema ist.
Mit den Schwierigkeiten des beruflichen Wiedereinstiegs nach einer längeren familienbedingten Auszeit haben allerdings nach wie vor in erster Linie Frauen zu kämpfen, da sie in der Regel länger in Elternzeit gehen als Männer. Dies spiegelt sich auch in aktuellen Daten zum Elterngeld wider. Danach nahmen in den Familien, deren Elterngeldbezug 2008 endete, 96 % der Frauen eine berufliche Auszeit von 10 Monaten oder länger, bei den Vätern waren es 16 %. Erfahrungen von Wiedereinsteigerinnen zeigen, dass der berufliche Wiedereinstieg in erster Linie durch die Verbesserung des Kinderbetreuungsangebots, durch die Flexibilisierung von Arbeitszeiten sowie durch ein insgesamt größeres Verständnis für berufstätige Eltern und mehr (qualifizierte) Teilzeitstellen erleichtert werden könnte. Viele Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass sie durch eine familienfreundliche Personalpolitik dazu beitragen können, den Wiedereinstieg zu erleichtern und qualifizierte Fachkräfte an das Unternehmen zu binden. Der aktuelle Report Familien in Baden-Württemberg stellt hierzu Lösungen vor, von denen Eltern und Unternehmen profitieren. Weitere Praxisbeispiele zum Thema finden Sie Internetportal des Kompentenzzentrums Beruf & Familie Baden-Württemberg.
Der "Report Familien in Baden-Württemberg" wird im Rahmen der Familienberichterstattung des Landes Baden-Württemberg von der FamilienForschung im Statistischen Landesamt erstellt und bietet themenbezogene wissenschaftliche Analysen zur Lage von Familien in Baden-Württemberg, Deutschland und Europa. Der Report erscheint quartalsweise als Online-Publikation. Abonnieren Sie den Report kostenlos bei der FamilienForschung!
"Report Familien in Baden-Württemberg" 1/2009: Elternzeit, Elterngeld, beruflicher Wiedereinstieg
Dr. Stephanie Saleth, FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt, Tel. 0711/641-2033, stephanie.saleth@stala.bwl.de
FamilienForschung Baden-Württemberg (FaFo) im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg
