Fünf Jahre Kinderland Baden-Württemberg

Kurzfassung zum Bericht "Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg"

Stuttgart, 12.08.2010

Immer mehr Schulen im Land mit Ganztagsangebot

Ganztagsschulen sind gefragt - heute mehr denn je. Sie sollen bis 2015 einen Anteil von 40 Prozent aller baden-württembergischen Schulen ausmachen. Laut dem heute veröffentlichten Bericht "Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg" der FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt entwickelt sich das Ganztagsschulangebot im Land dynamisch: Immer mehr Schülerinnen und Schüler besuchen eine ganztägige Einrichtung und nehmen die oft über den Lehrplan hinausgehenden Betreuungsangebote wahr.

Im Schuljahr 2008/09 waren insgesamt 20 Prozent der allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg Ganztagsschulen. Dies sind rund 1 000 Schulen mit ganztägigem Angebot. 2004 waren es noch rund halb so viele. Dabei fällt die Entwicklungsdynamik je nach Schulart unterschiedlich aus: Bei den Gymnasien hat sich der Anteil der Ganztagsschulen seit 2004 auf rund 34 Prozent verdreifacht, bei den Hauptschulen auf einen Anteil von 30 Prozent verdoppelt. Trotz ebenfalls dynamischer Entwicklung fällt der Ganztagsschulanteil bei den Real- und Grundschulen bislang mit 15 Prozent (2004: 4 Prozent) bzw. mit 9 Prozent (2004: 1,4 Prozent) geringer aus.

Zunehmend höherqualifizierende Schulabschlüsse

Im Berichtszeitraum zeigt sich darüber hinaus ein anhaltender Trend zum Besuch höherqualifizierender Schularten wie dem Gymnasium und zum Erwerb entsprechender Abschlüsse: Zum Schuljahr 2009/10 wechselten 40 Prozent der Schüler nach der Grundschule auf ein Gymnasium. Zum Schuljahr 2004/05 waren es noch 36 Prozent. Auf die Realschulen wechselte rund ein Drittel der Schüler, ebenfalls mit leicht zunehmender Tendenz. Auf die Hauptschule dagegen wechseln immer weniger Schüler - zum Schuljahr 2009/10 rund 25 Prozent. 5 Jahre zuvor waren es noch 31 Prozent. Entsprechend schließen immer mehr Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg die Schule mit dem Abitur oder der Fachhochschulreife ab - mittlerweile 35 Prozent der Abgänger von allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. Im Jahr 2000 waren es im Vergleich dazu noch 6 Prozentpunkte weniger. Zugleich ging der Anteil der Schulabgänger zurück, die die Schule ohne einen Hauptschulabschluss verlassen: derzeit beläuft er sich auf knapp 6 Prozent, 2000 waren es noch 8 Prozent.

Unterschiede zwischen ausländischen und deutschen Schülern

Während deutsche Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule meist auf das Gymnasium wechseln, ist bei ausländischen Schülerinnen und Schülern die Hauptschule die häufigste Schulart. Zum Schuljahr 2009/10 wechselte rund die Hälfte der ausländischen Schüler nach der Grundschule auf eine Hauptschule und nur rund ein Fünftel auf ein Gymnasium. Der Trend geht aber auch bei ausländischen Schülerinnen und Schülern in Richtung höherqualifizierender Schularten und ?abschlüsse.

Bundesweit höchster Anteil von MINT-Absolventen

Im Bundesländervergleich hat Baden-Württemberg außerdem den höchsten Anteil von Absolventinnen und Absolventen, die ein so genanntes MINT-Studienfach abgeschlossen haben. In Baden-Württemberg waren das 2008 37 Prozent aller Absolventinnen und Absolventen, im Bundesdurchschnitt 32 Prozent.

Ausbau des Betreuungsangebots

Im Rahmen von "Kinderland Baden-Württemberg" soll die Vereinbarkeit von Familie, Beruf, Ausbildung und Studium weiter verbessert werden. Für eine gelingende Vereinbarkeit sind neben einem bedarfsgerechten Kinderbetreuungsangebot z.B. auch Angebote zur familienfreundlichen Arbeitszeitgestaltung wichtig. Laut dem heute veröffentlichten Bericht "Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg" der FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt gelingt die Vereinbarkeit im Land zunehmend besser. Das zeigt sich anhand der zunehmenden Erwerbsbeteiligung von Müttern.

Erwerbsbeteiligung von Müttern über dem Bundesdurchschnitt

2008 waren rund zwei Drittel (67 Prozent) der Mütter in Baden-Württemberg erwerbstätig. Die Erwerbsbeteiligung liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 64 Prozent und fällt mit zunehmendem Alter der Kinder höher aus. Auch der Anteil Vollzeit erwerbstätiger Mütter wächst mit zunehmendem Alter der Kinder. Der zeitliche Umfang der Erwerbsbeteiligung von Vätern und Müttern unterscheidet sich allerdings deutlich. 2008 arbeitete mit 91 Prozent die große Mehrheit der Väter in Vollzeit. Demgegenüber hatte nur rund jede sechste Mutter eine Vollzeitstelle, gut die Hälfte ging einer Teilzeitbeschäftigung nach oder war geringfügig beschäftigt.

Mehr Betreuungsplätze an den Hochschulen

Nicht nur berufstätige Eltern stehen vor dem Vereinbarkeitsproblem sondern auch Eltern in Ausbildung und Studium. 2008 hatten rund 5 Prozent der Studierenden in Baden-Württemberg Kinder. Um diese Studierenden zu unterstützen, wurde seit 2005 die Zahl der Kinderbetreuungsplätze an Hochschulen um 50 Prozent auf knapp 1 750 Plätze im Jahr 2008 erhöht. Außerdem haben 14 baden-württembergische Hochschulen im Rahmen des "Audits familiengerechte Hochschule" einen Entwicklungsprozess zu mehr Familienfreundlichkeit durchlaufen und wurden daraufhin mit dem Zertifikat "Familiengerechte Hochschule" ausgezeichnet. Darunter zum Beispiel die Universität Hohenheim mit ihrer Notfallbetreuung "Kinderfeuerwehr" bei kurzfristigem Betreuungsbedarf.

Zukunftsthema Vereinbarkeit von Pflege und Berufstätigkeit

In Zukunft wird außerdem angesichts des demografischen Wandels die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf eine wichtige Rolle spielen. Derzeit wird fast die Hälfte der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg zu Hause von Angehörigen oder ehrenamtlichen Pflegepersonen betreut. Die Pflegenden sind zugleich oft selbst noch erwerbstätig oder müssen die Pflege von Eltern oder Schwiegereltern mit der Betreuung von Kindern vereinbaren. Hier ist unter anderem die Arbeitgeberseite gefragt, flexible Arbeitszeitmodelle zu entwickeln:

Das Land Baden-Württemberg als familienfreundlicher Arbeitgeber

Auch das Land Baden-Württemberg setzt sich dafür ein, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für seine Beschäftigten zu verbessern. Z.B. wurde das Angebot an Telearbeitsplätzen und flexiblen Arbeitszeitmodellen ausgebaut. Beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit werden Landesbedienstete frühzeitig geschult und durch Mentoren unterstützt. Außerdem wird das Angebot an arbeitsplatznaher Kinderbetreuung weiter ausgebaut. Z.B. werden derzeit in Stuttgart und Tübingen Kindertagesstätten für Mitarbeiter der Justiz und weitere Landesbedienstete eingerichtet. Im Hochschulbereich mit seinen oft unregelmäßigen Arbeitszeiten stehen für das wissenschaftliche Personal mittlerweile rund 700 Betreuungsplätze für Kinder unter 3-Jahren zur Verfügung.

Unterstützungsangebote zur familienfreundlichen Kommunalentwicklung

Die Kommunen sind die unmittelbarste Lebenswelt von Kindern und Familien. Im Rahmen von "Kinderland Baden-Württemberg" soll die Familienfreundlichkeit des direkten Umfelds weiter verbessert werden. Beteiligungsangebote sind ein bewährter Weg, den speziellen Bedürfnissen von Kindern und Familien vor Ort noch besser Rechnung zu tragen. Laut dem heute veröffentlichten Bericht "Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg" der FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt ist es in den letzten fünf Jahren gelungen, flächendeckend kommunale Beteiligungsverfahren anzustoßen und zahlreiche Entwicklungsprozesse zu mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit zu initiieren.

Das Portal www.familienfreundliche-kommune.de hat sich für die Kommunen im Land als wichtige Informationsquelle und als Plattform zur Vernetzung und zur Darstellung eigener Aktivitäten etabliert: Nahezu alle Kommunen haben den Newsletter zum Portal abonniert. Bis Anfang 2010 wurden beispielsweise unter dem Label "Zukunftswerkstätten Familienfreundliche Kommune" mit über 40 Kommunen und über 4 000 Beteiligten Bürgerbeteiligungsverfahren für mehr Familienfreundlichkeit durchgeführt. Aus jeder Zukunftswerkstatt gehen im Durchschnitt 5 bis 7 familienfreundliche Maßnahmen hervor. In 6 der 12 Regionen des Landes fanden außerdem RegioKonferenzen zur Vernetzung und zum Austausch familienfreundlicher Praxisbeispiele statt. Weitere Veranstaltungen sind in Vorbereitung.

Ein Ziel von "Kinderland Baden-Württemberg" ist es, den Gesundheitszustand und das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen weiter zu verbessern. Wichtige Themen sind dabei Über- und Untergewicht von Kindern und Jugendlichen, das Rauchverhalten und der Alkoholkonsum.

Kinder auf Haupt- und Förderschulen häufiger übergewichtig

Laut "Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg" waren 2007 rund 10 Prozent der baden-württembergischen Kinder bereits im Grundschulalter übergewichtig. Kinder mit Migrationshintergrund sind dabei doppelt so häufig von Übergewicht betroffen. Mit Programmen wie "Bauchgefühl", "Komm in Form", "Aktive Teens" oder "Gesund Aufwachsen in Baden-Württemberg ? Kommunale Netzwerke für Ernährung und Bewegung" soll Übergewicht sowie Essstörungen, Sucht und sexuell übertragbaren Krankheiten frühzeitig vorgebeugt werden.

Großteil der Kinder und Jugendlichen sportlich aktiv

Der Großteil der Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg treibt Sport: 2008 waren fast zwei Drittel der unter 18-Jährigen in einem Sportverein aktiv. Kritisch für die Gesundheit ist nicht nur mangelnde Bewegung, sondern auch der übermäßige Genuss von Alkohol oder Rauchen. In Baden-Württemberg rauchen 21 Prozent der Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren.

Große Mehrheit der Jugendlichen abstinent

Im Bereich Alkoholkonsum ist die große Mehrheit der Jugendlichen abstinent oder trinkt nur maßvoll Alkohol. Gleichzeitig hat sich aber in den letzten 5 Jahren die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen bei Jugendlichen auf fast 4000 Fälle im Jahr 2008 verdoppelt. Jungen sind mit einem Anteil von 60 Prozent häufiger betroffen als Mädchen.

Praxisprojekte zur Gesundheitsförderung

Um ein gesundheitsförderliches Verhalten möglichst frühzeitig zu verankern, arbeitet z.B. das Landesprogramm "Jugendbegleiter" an Ganztagsschulen mit Sportvereinen zusammen. Auch in den Kommunen gibt es innovative Ideen, wie die Gesundheit von Kindern gefördert werden kann:

Drei Prioritäten im Bereich Kinderschutz

Im Bereich Kinderschutz setzt "Kinderland Baden-Württemberg" drei Prioritäten: Elternverantwortung, Medien und Sicherheit. Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen soll dabei soweit als möglich verhindert werden.

Mehr Inobhutnahmen ? weniger Misshandlungen

Sind die Eltern mit der Erziehung überfordert oder kommt es zu Misshandlungen, dann greift als eines der letzten Mittel die Inobhutnahme Minderjähriger: Laut "Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg" nahm die Zahl der Inobhutnahmen von 2004 bis 2008 um über 60 Prozent auf rund 2 700 Fälle zu. Gleichzeitig ging die Zahl der Misshandlungen von 2004 bis 2009 um 10 Prozent auf 357 Fälle zurück. Gründe für Inobhutnahmen waren meist Überforderung der Eltern oder Beziehungsprobleme, zu einem geringeren Anteil Misshandlungen oder Vernachlässigung.

Landesprogramme und Praxisprojekte zum Kinderschutz

Um Inobhutnahmen von vornherein zu vermeiden und Eltern in ihren Erziehungskompetenzen zu stärken, werden im "Kinderland Baden-Württemberg" verstärkt Elternkurse angeboten, z.B. im Rahmen der Landesprogramme "STÄRKE" und "Guter Start ins Kinderleben":

Mehr Kinder und Jugendliche sind Handy- und Computerbesitzer

Insgesamt nutzen Jugendliche täglich fast 6 Stunden Internet, Computer, TV, Spielkonsolen und Handy. Ein Handy gehört mittlerweile zur Grundausstattung von Jugendlichen: 2009 besaßen 95 Prozent der Jugendlichen ab 12 Jahren ein Handy. Bei den 6- bis 13-Jährigen verfügt bereits die Hälfte über ein eigenes Handy. Das sind doppelt so viele Kinder wie noch 2003. Einen eigenen Computer besaßen 15 Prozent der Kinder und drei Viertel der Jugendlichen. Das spiegelt sich auch im Internet-Nutzungsverhalten wieder: 2009 nutzten rund 90 Prozent der Jugendlichen täglich oder mehrmals pro Woche das Internet. 2007 waren es noch 75 Prozent. Gleichzeitig nahm die Nutzungsdauer um 20 Minuten auf rund 130 Minuten werktags zu.

Zum Bericht "Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg"

Fünf Jahre nach Start von "Kinderland Baden-Württemberg" im Jahr 2005 zieht die Landesregierung eine erste Zwischenbilanz. Die FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt wurde beauftragt, einen Indikatorenbericht zu erarbeiten. "Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg" beschreibt die Entwicklung der Lebenssituation von Kindern, Jugendlichen und Familien im Land in den letzten fünf Jahren. Der Bericht zeigt: Wo stehen wir auf dem Weg zum "Kinderland"? Welche Erfolge sind zu verzeichnen? Was bleibt zu tun? Der Bericht bietet ein Set statistischer Indikatoren, eine kompakte Zusammenstellung der wichtigsten Ziele und Maßnahmen der Landesregierung im Rahmen von "Kinderland" sowie Anregungen für die praktische Arbeit durch Portraits innovativer Praxisbeispiele.

Download

"Trends und Fakten Kinderland Baden-Württemberg" (PDF, 4 MB)

Weitere Informationen

www.fafo-bw.de

Kontakt

Christine Ehrhardt, FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt, Tel. 0711/641-2668, christine.ehrhardt@stala.bwl.de

Tanja Zähle, FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt, Tel. 0711/641-2840, tanja.zaehle@stala.bwl.de

Quelle

FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg