Von und mit Familien lernen - Internationaler Local to Local Dialog

Familien als aktive Partner bei der Planung einer kinder- und familienfreundlichen Stadt

Träger

EKiZ - Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart West e.V.

Anlass und Ziele

In den bundesdeutschen Großstädten ist die familiale Lebensform in die Minderheit geraten. Familien reagieren mit einer Abwanderung aus Städten und urbanen Lebensbedingungen. Die Ausdünnung familenentlastender Infrastruktur, das Fehlen sozialer Nachbarschaften, überteuerter Wohnraum, Unfallgefährdung durch zu hohes Verkehrsaufkommen, Gesundheitsbelastungen durch hohe Luftverschmutzung sowie Sicherheitsfragen wie zum Beispiel Kriminalität und Drogenmißbrauch zählen zu den Gründen, die Familien dazu veranlassen, an den Stadtrand abzuwandern oder aber das Stadtgebiet vollkommen zu verlassen. Zukunftsängste und das Auseinanderreißen familialer Strukturen durch die Flexibiliäts- und Mobilitätsforderungen des Arbeitsmarkts veranlassen immer mehr Menschen in Deutschland, ganz auf Kinder zu verzichten obwohl der Wunsch nach Kindern nachweislich besteht.

Das Projekt "Von und mit Familien lernen ? Internationaler Local to Local Dialog" des Eltern-Kind-Zentrums versucht, dieser gesellschaftlichen Entwicklung entgegenzusteuern und neue Impulse zu setzen.

Das EKiZ feierte im Jahr 2004 seinen 18. Geburtstag. Diese "Volljährigkeit" sollte zum Anlass genommen werden, eine Anerkennungskultur "politischer Mündigkeit" für Familien in Stuttgart strukturell zu verankern. Das bedeutet, dass Familien bei der Entwicklung einer familien- und kinderfreundlichen Stadt als aktive und gleichberechtigte Partner einbezogen und beteiligt werden sollen. Das Anliegen des EKiZ ist es, die Erfahrung aller an diesem Prozeß Beteiligten einzubringen, die Kommune damit zu beraten und zu unterstützen. Stuttgart kann sich so als Stadt profilieren, der es gelingt, Familien zuzuhören, von ihnen zu lernen und sie in kommunale Gestaltungsprozesse aktiv einzubinden.

In einem Klima des gleichberechtigten Austausches soll erarbeitet werden,

  • was Familienfreundlichkeit aus der Sicht verschiedener gesellschaftlicher Akteure konkret bedeutet,
  • was aus unterschiedlichen Bereichen hierzu beigetragen werden kann,
  • was es braucht, damit sich gelungene Praxis an der Basis gesellschaftlich durchsetzen kann,
  • wie gemeinsam getragene Lösungen erarbeitet und umgesetzt werden können,
  • und was zu tun ist, damit aus einer Projektidee eine dauerhafte und selbstverständliche Beteiligungsform ensteht.

Weitere Ziele sind:

  • konkrete Pläne, Vereinbarungen und Umsetzungsschritte
  • Erarbeitung von Bedingungen und Konditionen für einen dauerhaften Dialog und tragfähige Partnerschaften
  • Herstellung einer konstruktiven und nachhaltigen Dialogkultur
  • Erarbeitung von konkreten Anwendungsgebieten
  • Entwicklung von Visionen für eine familienfreundliche Beteiligungs- und Zusammenarbeitstruktur
  • Identifikation von Kooperationspartnern und Kooperationsformen
  • Gewinnung von Multiplikatoren, Freunden und Förderern des Stuttgarter Modells

Zielgruppen

Familien, Politik und Verwaltung in Stuttgart

Am ganztägigen Partnerschaftsprojekt "Von und mit Familien lernen - Internationaler Local to Local Dialog" nehmen 40-50 aktive Teilnehmer/innen teil. Darunter sind 50% Vertreter/innen von Familien und 50% Entscheidungsträger/innen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.

Zusammenarbeit

Zusammen mit der Politik, der Verwaltung und anderen kommunalen Entscheidungsträgern soll eine neue Form der Partizipationsstruktur für die Stadt Stuttgart entwickelt werden. Durch das Zusammenwirken von Partnern aus vielen unterschiedlichen Bereichen sollen gesellschaftliche Gräben überwunden werden und die Interessen von Familien stärker berücksichtigt werden.

Mit dabei sind neben dem Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart West e.V.:

  • Mother Centers International Network for Empowerment (Mine international)
  • Mütterforum Baden-Württemberg
  • Jugendamt der Stadt Stuttgart
  • Allianz Leben, Stuttgart

Angebote und Umsetzungsschritte

Die "Local to Local Dialoge" haben sich auf Initiative der Huairou Commission, New York, entwickelt. Sie sind Teil der UN Kampagne "Engendering Local Governance". Seit 2003 werden "Local to Local Dialoge" zwischen Basisorganisationen bzw. -gruppen und Entscheidungsträger/innen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft erfolgreich durchgeführt, u.a. in den Ländern Tanzania, Argentinien, Russland, Tschechische Republik, Kenia und Uganda. Teilweise konnten in den letzten Jahren diese "Local to Local Dialoge" direkt auf UNO-Ebene miterlebt werden, so in der Türkei oder auch in China bei der Weltfrauenkonferenz.

Eine nachhaltige Entwicklung, Veränderung oder Manifestation kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten, unabhängig von Status, sozialem Hintergrund oder Bildung. Es ist für alle Aktiven ein schwieriger, langfristig aber der effektivste Prozess: Es gibt weniger Gegeneinander, die Menschen fühlen sich mehr in der aktiven Position und damit auch verantwortlicher. Viele Fehlentscheidungen können durch die Zusammenarbeit der direkt im Umfeld Lebenden vermieden werden. Die Menschen fühlen sich ernst genommen und wertgeschätzt.

Das Projekt bedient sich der Methode und Haltung des "Leadership Support Process" (LSP), die der National Congress of Neighbourhood Women - ein landesweites Netzwerk von Selbsthilfegruppen in den USA - entwickelt hat. LSP eignet sich sehr gut für die Erschließung von Fähigkeiten und Ressourcen und des Aufbaus von Kooperations- und Partnerschaftsstrukturen und für die Entwicklung und Durchführung von Projekten.

Der Local to Local Dialog baut auch auf einer Reihe von Erfahungen auf, die das EKiZ in seiner Arbeit vor Ort gesammelt hat.

Die Umsetzung und Gestaltung des Projekts "Von und mit Familien lernen - Internationaler Local to Local Dialog":

  • Phase 1, Februar ? Dezember 2004: Wöchentliche Veranstaltungsreihe des EKiZ im Generationenhaus West, in denen bilaterale Dialoge mit Vertreter/innen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu familienpolitischen Fragestellungen stattfinden.
  • Phase 2, 4. - 7. August 2004: Symposium in St.Louis/USA: Von und mit Familien lernen - Internationaler Local to Local Dialog mit Vertreter/innen des EKiZ "WomanSpirit, mine" Webster University, University of Missouri und der Stadt St. Louis.
  • Phase 3, 7. - 14. September 2004: World Urban Forum (WUF): Präsentation des Stuttgarter Modells: EKiZ-Planungsprozess im Generationenhaus West auf der Grassroots Woman`s International Academy (GWIA), Barcelona, Spanien.
  • Phase 4, 6. Oktober 2004: ganztägiges Symposium in Stuttgart: Von und mit Familien lernen - Internationaler Local to Local Dialog mit Familien und Vertreter/innen aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft; gleichzeitige Umsetzung der Ergebnisse in einer Kunstinstallation
  • Phase 5, 2005: Langfristige Verankerung des Dialogmodells "Von und mit Familien lernen" in der Stadt
  • Phase 6, Ende 2005 ? 2006: Transfer und Dissemination des Stuttgarter Dialogmodells in andere Kommunen und Partnerstädte

Ergebnisse und Auswirkungen

Die Ergebnisse des Projekts "Von und mit Familien lernen - Internationaler Local to Local Dialog" werden dokumentiert und in Form eines gebundenen Werkstattberichtes mit Handlungsempfehlungen und Fotos veröffentlicht sowie durch eine künstlerische Performance erlebbar gemacht. Die Aktiven der EKiZ Kunstwerkstatt haben den Dialog künstlerisch begleitet und mit den DialogteilnehmerInnen eine Collage erstellt. Es ist angedacht, diese Installation auch für Ausstellungen im Rahmen neuer Dialoggespräche zur Verfügung zu stellen.

Nach der Erprobungsphase soll das "Stuttgarter Modell" auch Kommunen und Gemeinden zugänglich gemacht werden. Zeitgleich wird der Dialog auch in St. Louis umgesetzt. Hier ist schon jetzt an eine weitere Zusammenarbeit gedacht worden. 2005 sollen weitere Gespräche folgen. In der regionalen Umsetzung wird das Mütterforum Baden-Württemberg Aktivitäten übernehmen. Denkbar ist auch die Verbreitung in weiteren Partnerstädten. Hier ist auch an die Partnerländer gedacht, mit denen das EKiZ Verbindungen hat, z.B. aus Osteuropa. Der internationale Transfer des Projekts wird auch durch mine und der Huairou Commission erfolgen.

Das EKiZ-Modell wurde unter der Bezeichnung "Stuttgarter Dialogmodell" in der Kampage "Lokale Bündnisse für Familie" mit aufgenommen.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

noch offen

Personalbedarf

noch offen

Raumbedarf

noch offen

Finanzierung

25% der Gesamtsumme für das Projekt konnte aus eigener Kraft des EKiZ finanziert werden. Für den Rest ist das Eltern-Kind-Zentrum auf Untersützung von aktiven Projektpartnern angewiesen.

Besondere Rahmenbedingungen vor Ort

noch offen