KiFa - Kinder- und Familienbildung

Integration von Kinderbetreuungs- und Familienbildungsangeboten in Ludwigsburg

Träger

Stadt Ludwigsburg, Amanda und Erich Neumayer-Stiftung

Anlass und Ziele

KiFa ist ein Programm für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, das Elternbildung, Sprachentwicklung, Öffnung zum Gemeinwesen, Qualifizierung von Fachkräften und Multiplikatoren bedarfsorientiert und ganzheitlich vernetzt.

Ziele:

  • Chancengleichheit für Kinder - d.h. gleiche Zugangsmöglichkeiten zum Bildungssystem, unabhängig von der Herkunft
  • Kostensenkung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe durch frühzeitige Unterstützung der Familien
  • Stärkung der Erziehungs- und Bildungskompetenz der Eltern
  • Stärkung der Gemeinschaft und Selbsthilfe der Familien innerhalb eines Stadtteils
  • Familien nutzen bestehende Beratungsangebote

Wichtige Merkmale dieses Ansatzes sind:

  • Erzieherinnen haben verstärkt das gesamte Familiensystem im Blick und werden zu Familienbegleiterinnen
  • In der Kita gibt es neben den Angeboten für die Kinder auch Angebote für die Eltern (Kita = Familienzentrum).
  • Die Angebote verschiedener Institutionen (Arbeitsamt, Jugendamt, Caritas, Diakonie, HeilpädagogInnen usw.) werden in der Kita vernetzt. Familien haben eine Anlaufstelle.
  • Sprachanregung findet in beiden Lebenswelten der Kinder statt, im Elternhaus und in der Kita bzw. Grundschule
  • Stärkung der Eltern (insbesondere der Mütter) in ihrer Persönlichkeit und in ihren Erziehungskompetenzen durch wöchentliche Elternkurse.
  • Community Education: Erziehung in gemeinsamer Verantwortung zur Förderung der Integration und zum Aufbau eines lokalen Integrationskonzeptes bzw. Integrationsnetzwerkes.

Zielgruppen

Junge Familien, insbesondere auch geeignet für bildungsbenachteiligte Familien, sozial schwächere Familien, Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund. Der Zugang zur Zielgruppe wird über die Kindertagesstätte, Grundschule und muttersprachliche Mentorinnen hergestellt.

Zusammenarbeit

Das Programm KiFa kooperiert mit folgenden Partnern:

  • Stadt Ludwigsburg
  • Amanda und Erich Neumayer-Stiftung
  • Liga der freien Wohlfahrtsverbände
  • Schulen
  • Kindertagesstätten
  • Akademie für Information und Management Heilbronn-Franken gGmbH (Durchführung der KiFa-Trainer/innen-Ausbildung)
  • Wirtschaft
  • Kirchengemeinden
  • Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg
  • Kultusministerium Baden-Württemberg
  • Sozialministerium Baden-Württemberg
  • Vereine
  • Fach- und Beratungsdienste
  • Elternvertreter
  • Evangelische Fachhochschule Freiburg
  • FamilienForschung Baden-Württemberg im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg

Angebote und Umsetzungsschritte

Das Programm steht auf vier Säulen:

1. Qualifizierung und Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte in den Kitas.

2. Durchführung von Elterngruppen / Qualifizierung von Mentorinnen

3. Vernetzung, Kooperation, Öffnung zum Gemeinwesen

4. Qualitätssicherung

Säule 1: Qualifizierung der Mentoren und der pädagogischen Fachkräfte in den Kitas und Grundschulen

Ein Team aus zwei Erzieherinnen und 1-2 Mentoren, bzw. einer Lehrerin und 1-2 Mentoren nimmt an den KiFa-Qualifizierungs- und Coaching-Angeboten teil. Durchgeführt wird dieses Angebot von speziell hierfür ausgebildeten KiFa-Trainer/innen. An acht halben Tagen über ein Jahr verteilt finden diese Termine statt, zunächst vier Qualifizierungstermine, im Anschluss daran vier Coaching-Termine. Diese Qualifizierungsmaßnahme ist eng vernetzt mit der zeitgleich stattfindenden KiFa-Umsetzung in den Bildungseinrichtungen.

Praxisnah begleitet wird das Kita-Team bzw. das Grundschul-Team von einer KiFa-Mitarbeiterin. Diese unterstützt und leitet das Team an, bei der Reflektion, Erprobung, Umsetzung der theoretischen Inhalte der Fortbildungen und bei der Reflextion des eigenen Handelns. Ziel der Praxisbegleitung ist das gemeinsame Erarbeiten eigener Konzepte in den Bereichen Sprachentwicklung und Elternarbeit.

Säule 2: Durchführung von Elternkursen und Eltern-Kleinkind-Kursen in der Kindertageseinrichtung und von Elternkursen in der Grundschule

Themenschwerpunkte der Elternkurse sind:

  • Anleitung zur Sprachentwicklung im Elternhaus.
  • Vermittlung und Einübung von Erziehungs- und Bildungskompetenzen.
  • Stärkung der Persönlichkeit der Mütter z.B. durch Selbstreflexion und durch Erfahrungen, die in der Gruppengemeinschaft gemacht werden.
  • Einbeziehung von Vätern in Erziehungs- und Bildungsaufgaben
  • Hilfe zur Selbsthilfe, Empowerment

Die Lernförderung im Elternhaus ist eine grundlegende Voraussetzung für den späteren Erfolg der Kinder in der Schule und im Beruf. Die Eltern sind die zentralen Vermittler z.B. für die Sprache der Kinder. Deshalb beziehen wir sie aktiv in den Lernprozess ihrer Kinder ein.

In den Kindertageseinrichtungen werden Mütter ausgewählt, die als Vorbild und als Multiplikatorinnen im Stadtteil und in der Kindertagesstätte wirken können. Wir nennen diese Frauen "Mentorinnen". Die Mentorinnen werden qualifiziert und begleitet. Sie machen andere Kita-Mütter aus ihrem kulturellen und sprachlichen Milieu mit Zielen und Methoden der Elementarbildung vertraut.

Jede Mentorin leitet einen Kurs von 6 - 8 Frauen. Dieser trifft sich wöchentlich über ein Jahr hinweg in der Kita. Die Elternkurse greifen Themen aus dem Alltag des Kindes auf, wie z. B. Medienkonsum, Gesundheitsförderung, Grenzen setzen, gewaltfreie Erziehung, Loben, sowie aktuelle Themen aus der Kita. Zu jedem Thema gibt es verschiedenste Aktivitäten und Materialien, die Mütter und Väter mit ihren Kindern zu Hause in der Muttersprache durchführen können. Dies kann eine Gestaltungsaufgabe, eine Bilderbuchbetrachtung, ein Lied oder ein Spiel sein. Die Eltern lernen, wie sie - durch regelmäßige Spiele und Anregungen, die in den Alltag integriert sind - die Sprache, die Persönlichkeit und die Entwicklung der Kinder zu Hause fördern können.

Säule 3: Vernetzung, Kooperation, Öffnung zum Gemeinwesen

Die Kita ist der Ort, an dem Hilfen für die Familie angeboten und koordiniert werden. Eine enge Kooperation mit einer Erziehungs- und Sozialberatungsstelle wird in den KiFa-Kitas implementiert. Ein/e Mitarbeiter/in dieser Beratungsstelle ist für die Kita zuständig, bietet regelmäßig Sprechstunde in der Kita an, berät das Kita-Team, macht Angebote in den Eltern-Kursen, besucht Veranstaltungen der Kita (z. B Elternabende, Elterncafes) und ist zuständig für die Koordination und Vernetzung der Hilfen einer Familie (z. B. Suchtberatung, Schuldnerberatung usw.)

Weitere Kooperationen finden mit dem Jugendamt, dem Gesundheitsamt, der Stadtbibliothek, der Volkshochschule, mit Schulen, Vereinen und anderen Einrichtungen, je nach Bedarf statt.

Säule 4: Qualitätssicherung

Für die Qualitätssicherung ist die Neumayer-Stiftung zuständig. Die Qualitätssicherung bei KiFa erfolgt durch:

  • die speziell für KiFa entwickelte Qualifizierungsmaßnahme für Mentoren, Erzieherinnen und Lehrer/innen
  • das eigens für KiFa entwickelte und erprobte KiFa-Material für KiFa-Elternkurse in der Kita, in der Grundschule und für KiFa-Eltern-Kleinkindkurse, die regelmäßig überarbeitet und aktualisiert werden
  • den KiFa-Methodenkoffer und den KiFa-Praxisleitfaden
  • die in Kooperation mit der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken gGmbHdurchgeführte zertifizierte KiFa-Trainer/innen-Ausbildung
  • Coachingangebote für Kommunen bzw. Bildungseinrichtungen in den ersten drei Jahren der KiFa-Umsetzung
  • Coachingangebote für die KiFa-Trainer/innen
  • die hohe Fexibilität und Anpassungsfähigkeit des Programms, Bestehendes zu integrieren und zu vernetzen

Ergebnisse und Auswirkungen

Das Programm wird seit 2003 in Ludwigsburger Kindertagesstätten umgesetzt und wurde dort 2007 in die Regelstrukturen übertragen. Seit 2008 läuft die Vorbereitung auf weitere Kommunen. Derzeitige Standorte sind: Ludwigsburg, Kirchheim a.N., Öhringen, Singen, Filderstadt, Göppingen, Ebersbach, Süßen, Geislingen, Freiberg a.N., Schwäbisch Hall und Schwäbisch Gmünd.

Die Angebote werden von den Eltern positiv bewertet und gut genutzt. Auch die Eltern, die anfangs zögerlich waren, fragen inzwischen die Angebote nach. Die Eltern bewerten das Angebot als nah an ihrer Lebenswirklichkeit und hilfreich für ihre Alltagsgestaltung. In Hinblick auf die Sprachförderung der Kinder konnten konkrete Sprachfortschritte durch die Erzieher/innen beobachtet werden. Auch Eltern, die z.T. im Hinblick auf die Sprachförderung ihrer Kinder skeptisch waren, zeigten sich von den Ergebnissen überzeugt.

Auszeichnungen: Preis Soziale Stadt 2008, Landesweiterbildungspreis 2010, Nominierung Karl Kübel Preis 2011, Sieger beim Wettbewerb der Bundesregierung "Ideen für die Bildungsrepublik" 2012, Nominierung IBK-Preis „Gesundheitsförderung und Prävention“ 2013.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Familienbildung ist in Baden-Württemberg keine Pflichtaufgabe und somit gibt es für diesen Bereich kein festes Budget. Den Nutzen der Kosteneinsparung durch dieses präventive Angebot hat häufig nicht die Kommune selber, welche die Kosten dafür trägt. Kommunen tun sich bei den vielfältigen aktuellen Aufgaben schwer, eine zusätzliche freiwillige Aufgabe -wie Familienbildung- als langfristigen Kostenfaktor im Haushalt einzustellen und damit Angebote in diesem Bereich nachhaltig zu installieren.

Besondere Kennzeichen des Projekts aus Sicht der Verantwortlichen

  • Neuartige Idee
  • Antwort auf neuen Bedarf oder neue Zielgruppe
  • Neue Kooperationen
  • Nachhaltige Wirkung
  • Kostengünstig
  • Niedrigschwelliger Zugang für die Zielgruppe
  • Qualitätssicherung
  • Ganzheitlichkeit, Stärken- und Ressourcenorientierung

Personalbedarf

KiFa benötigt eine Programmkoordinatorin, wenn mehrere Kitas und Grundschulen einer Kommune KiFa umsetzen. In den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sind entsprechende zeitliche Ressourcen der Erzieher/innen und Lehrer/innen notwendig, für die Anleitung und Begleitung der Mentoren, die KiFa-Qualifizierungsmaßnahmen und die weiteren KiFa-Angebote in der Einrichtung.

Raumbedarf

Räume in der Kita/Grundschule oder in direkter Nähe zur Kita/Grundschule, in denen die Elternkurse stattfinden können.

Finanzierung

Es entstehen Personalkosten, Sachkosten, Kosten für die systematische Vernetzung der Kitas mit einer Erziehungs- und Sozialberatungsstelle und Kosten für die Aufwandsentschädigung der ehrenamtlichen Mentoren

Finanziert wird dies über Kommunen bzw. Kita-Träger. Eine Refinanzierung über Stärke Säule 2 ist möglich.

Besondere Rahmenbedingungen vor Ort

Das Programm bietet sich für Kommunen, Stadtteile, Bildungseinrichtungen an, die einen hohen Anteil an bildungsbenachteiligten Familien, sozial schwächeren Familien und Familien mit Migrationshintergrund haben.