10-Stufen-Projekt-Bildung

Zehn Module zur Steigerung der Betreuungsqualität in den Kindertagesstätten

Träger

Stadt Heilbronn, Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern, infans-Institut für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e.V. Berlin

Anlass und Ziele

Anlass zur Gründung des "10-Stufen-Projekts-Bildung" war das schlechte Abschneiden deutscher Schüler im Rahmen der PISA-Studie. Die Studienergebnisse intensivierten kommunalpolitische Diskussionen über Qualität und Reformbedürftigkeit des deutschen Bildungssystems. Im Zentrum dieser Debatten stand neben dem Schulwesem auch die Betreuungsqualität in den Kindertagesstätten. Hier setzt das Modellprojekt "10-Stufen-Projekt-Bildung" des Berliner Instituts infans an. Sein Grundkonzept: Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern mit der Geburt.

Im Rahmen des Projekts wurde auch zwei Heilbronner Kindertageseinrichtungen die Teilnahme ermöglicht. Die wichtigsten Zielsetzungen des "10-Stufen-Projekts-Bildung" sind:

  • die Definition des Bildungsauftrags im Kindergartenbereich
  • die Weiterentwicklung pädagogischer Konzepte
  • und die Weiterentwicklung der Kindergärten zu Bildungseinrichtungen

Zielgruppen

Mitarbeiterinnen in Kindergärten; Fachschulen für Sozialpädagogik; Träger von Kindergärten; Fachberaterinnen; Familien mit Kinder, die eine Ganztageskindertagesstätte oder einen Kindergarten besuchen.

Zusammenarbeit

Das Projekts wird in Kooperation mit dem Landeswohlfahrtsverband-Württemberg-Hohenzollern und dem infans - Institut für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e. V. durchgeführt. Außerdem wird mit weiteren Städten mit Modellkindergärten zusammengearbeitet: mit Ulm und Böblingen als direkten Kooperationspartnern im Projektverbund, mit Stuttgart als eigenständigem Kooperationspartner und mit der Modelleinrichtungen in Baden

Angebote und Umsetzungsschritte

Zu Beginn des Projekts finden an allen Projektstandorten Einführungsveranstaltungen für die beteiligen Kindertageseinrichtungen statt. Außerdem werden jährlich Fortbildungskurse und Beratungen zu verschiedenen Themen angeboten.

Das "10-Sufen-Projekt-Bildung" umfasst zehn Module:

  • 1. Erziehungsziele klären: Zusammentragen und Reflektieren der persönlichen Ziele, der gesellschaftlichen Ziele und des gesetzlichen Auftrags
  • 2. Themen zumuten: Erziehung als Gestaltung der Umwelt und als Zumutung von Themen in der gestalteten Interaktion mit dem Kind
  • 3. Erzieherinnen als Forscherinnen: Sammeln von Informationen zu Bildungsprozessen der Kinder
  • 4. Themen beantworten: Aufgreifen der Themen der Kinder in der gestalteten Interaktion und durch Modifizierung des Raum - und Materialangebots
  • 5. Dokumentieren: Zusammenführen und Interpretieren der Informationen zu den Bildungsprozessen der einzelnen Kinder in einem Portfolio
  • 6. Gemeinsam denken im Team: der regelmäßige fachliche Diskurs im Team
  • 7. Dialog mit den Eltern: die Themen der Eltern wahrnehmen, beantworten und die Eltern in die Bildungsarbeit der Kindertagesstätte einbeziehen
  • 8. Qualifizierung des Personals: Jede/r Erzieher/in nimmt mindestens einmal im Jahr an einer externen mehrtägigen Fortbildung teil; einmal jährlich Klausurtage in der Kindertagesstätte, Nutzung von Praxisberatung und anderen Unterstützungssystemen
  • 9. Kooperation im Gemeinwesen suchen, auf- und ausbauen: dazu gehört auch die Kooperation mit den Grundschulen
  • 10. Erreichtes Prüfen: Qualitätsmessung und Qualitätsentwicklung

Neben diesen Handlungsschritten in Modulform ist auch die Aufnahme von Beziehungen zu den Familien der betreuten Kinder ein wichtiger Teil der Arbeit. Die Kindertagesstätte wird im Rahmen des Projekts zur lernenden Institution, die in der Lage ist, ihr Arbeitskonzept kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Ergebnisse und Auswirkungen

Die Mitarbeiterinnen verändern ihre Arbeit in der Tageseinrichtung grundlegend. Sie verändern ihr Selbstverständnis im Hinblick auf den Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsauftrag. Sie arbeiten mit veränderten theoretischen Grundannahmen zur Entwicklungspsychologie. Erziehungsziele werden zu Handlungszielen - sie bilden die Grundlage für alles pädagogische Handeln und die fachliche Reflexion in der Einrichtung.

Das einzelne Kind rückt in den Mittelpunkt des pädagogischen Handelns. Bildungsprozesse der Kinder werden individualisiert. Die Raumgestaltung, das Materialangebot, der Tageslauf, die pädagogische Interaktion werden unter neuen pädagogischen Gesichtspunkten gestaltet. Außerdem werden die Eltern durch Elternabende, Informationsveranstaltungen, Interessensgruppen und Einzelgespräche in das Projekt und damit in die Bildungsprozesse ihrer Kinder einbezogen: Sie werden dazu angeregt, sich mit ihrem eigenen pädagogischen Selbstverständnis, ihren Erziehungszielen, ihren Erwartungen an eine Kindertagesstätte usw. auseinanderzusetzen und treten in den Dialog mit den Erzieherinnen.

Das Projekt weckt großes Interesse bei den Kooperationspartnern, insbesondere bei den Grundschulen und bei den Fachschulen für Sozialpädagogik.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Zusätzlich benötigte personelle Ressourcen (mehr Arbeitszeit für die beteiligten Mitarbeiterinnen) müssen bereitgestellt werden.

Besondere Kennzeichen des Projekts aus Sicht der Verantwortlichen

  • Beteiligung an der Entwicklung eines Handlungskonzepts zur Erfüllung des Bildungsauftrags in Kindertagesstätten

Personalbedarf

zwei 100% Fachkräfte pro Kindergartengruppe

Raumbedarf

ein Gruppenraum, ein Nebenraum, Funktionsräume wie z.B. Werkraum, Bewegungsraum, Ruheraum, Garten usw.

Finanzierung

Finanzierung über Mittel des Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern (LWV) und über Eigenmittel der Stadt Heilbronn

Besondere Rahmenbedingungen vor Ort

großes Interesse an einer strukturierten, zielorientierten unf fachlichen Weiterentwicklung der Tageseinrichtungen für Kinder bei allen Beteiligten