Flächendeckender Aufbau von Familienzentren im Landkreis Karlsruhe

Familiären Strukturwandel durch wohnortnahe Unterstützungsangebote bewältigen

Träger

Landratsamt Karlsruhe

Anlass und Ziele

Die familiären Strukturen unserer Gesellschaft haben sich wesentlich verändert: Neben der traditionellen Ehe mit Kindern existiert heute eine Vielzahl von anderen Lebensformen, so zum Beispiel Lebensgemeinschaften nicht miteinander verheirateter Eltern, Stieffamilien, allein Erziehende oder Wohngemeinschaften. Familien haben mehr denn je Veränderungen, Übergänge und Brüche zu bewältigen. Der soziale Rückhalt durch die ortsansässige Großfamilie geht aufgrund der berufsbedingten Mobilität zunehmend verloren. Zugewanderte Familien aus dem In- und Ausland müssen sich sozial, kulturell und sprachlich neu integrieren.

Familien benötigen unter diesen Umständen mehr Unterstützung von außen. Familienzentren greifen diesen Unterstützungsbedarf auf. Sie sind ein wohnortnahes, offenes und niedrigschwelliges Angebot für Kinder, Jugendliche und Familien. Sie bieten Eltern wie werdenden Eltern Kontakt- und Gesprächsmöglichkeiten, Beratungs-, Hilfs- und Bildungsangebote und binden die Selbsthilfekräfte von Familien mit ein.

Die Familienzentren knüpfen mit ihrem Konzept an ein zentrales Ergebnis der Befragung der Karlsruher Kreis-Eltern-Kind-Initiative (KEKI) an: Beratungsmöglichkeiten in Gesundheits- und Erziehungsfragen sind dezentral und unbürokratisch anzubieten. So wird auch der Tatsache Rechnung getragen, dass zum Beispiel Beratungsstellen von den Eltern in der Regel erst im späten Kindergarten- oder Schulalter ihrer Kinder aufgesucht werden, obwohl schon frühere Störungen in der Eltern-Kind-Beziehung bei den Kindern zu Entwicklungsrisiken führen können.

Wichtigste Zielsetzung von Familienzentren ist die Stärkung der Erziehungskraft und die Verbesserung der Lebenssituation von Familien. Dies wird erreicht durch:

  • Prävention: Familienzentren setzen nicht erst bei akuten Problemen oder Krisen an. Sie arbeiten präventiv und entwickeln soziale Netzwerke im Lebensumfeld von Familien.
  • Integration: Durch ein niedrigschwelliges Angebot sollen Familien erreicht und gefördert werden, die sich als ausgegrenzt erleben, so zum Beispiel Familien, die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen, allein erziehende Familien, ausländische Familien oder allgemein Familien in Problemlagen.
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Familien finden sich zusammen, um gemeinsam Aufgaben zu bewältigen und eigene Fähigkeiten zu entwickeln. Die Bereitschaft dazu äußert sich im Wunsch nach Austausch mit Betroffenen und nach gemeinsamen Betreuungs-, Beratungs-, Freizeit- und Informationsangeboten. Sozialpädagogische Fachkräfte im Familienzentrum erkennen, unterstützen und fördern den Selbsthilfegedanken.
  • Beratung und Bildung: Familienzentren bieten eine Vielzahl von Beratungs- und Informationsangeboten, die in Orientierung an den Interessen der Betroffenen die unterschiedlichsten Themen und Problemstellungen aufgreifen. Durch die Niedrigschwelligkeit der Angebote sollen insbesondere sozial benachteiligte Familien erreicht werden.

Gemeinsam mit Städten und Gemeinden will der Landkreis Karlsruhe deshalb für Familien möglichst flächendeckend Begegnungsmöglichkeiten zum Erfahrungsaustausch schaffen, etwa in Form offener Treffs oder über organisierte Gruppenangebote. Eltern sollen entlastet werden, Kindern soll schon früh die Möglichkeit gegeben werden, soziales Verhalten in der Gruppe zu üben. Schon jetzt gibt es eine Reihe von Angeboten zur Familienbildung und zur Freizeitbeschäftigung, die allen Familien im Landkreis zur Verfügung steht.

Zielgruppen

Mütter, Väter, Kinder und andere Interessierte, die sich treffen wollen, um Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Menschen aller Bevölkerungsgruppen sind angesprochen, z.B. ausländische Mitbürger, Einheimische, neu hinzugezogene Bürger, Alleinerziehende u.a..

Zusammenarbeit

Die Kommunen im Landkreis Karlsruhe richten die Familienzentren selbst ein. Die Gemeinden stellen Räume und ihre Ausstattung mietfrei zur Verfügung. Die Familienzentren werden von engagierten Bürgern in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins geführt. Verbundlösungen freier Träger (CARITAS, Diakonie, Sozialer Dienst Katholischer Frauen (SKF), Kirchengemeinden etc.), die ihr Fachwissen und bereits bestehende Angebote in das Familienzentrum einbringen, sind ebenso erwünscht.

Angebote und Umsetzungsschritte

Grundangebot in den Familienzentren:

  • Familiencafé als offene Anlaufstelle
  • Kinderbetreuung; stundenweise fachkundige Betreuung insbesondere von Kleinkindern, um Arztbesuche, Ämtergänge zu erleichtern
  • Treff für allein Erziehende; Gesprächskreis mit Kinderbetreuung für alle allein Erziehenden, der Erfahrungsaustausch und professionelle Beratung ermöglicht
  • Angebote zur beruflichen Entwicklung von Frauen; Sprachkurse, Bewerbungstraining, PC-Schulungen, Kreativangebote
  • Beratungsangebote des Jugendamtes und anderer sozialer Institutionen; Sprechstunden des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), der Psychologischen Beratungsstelle (PB), Pro Familia und anderen
  • Veranstaltungen und Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und junge Eltern
  • Einzelgespräche mit und Einzelberatungen durch Fachkräfte
  • Verknüpfung von professionellen Hilfsangeboten mit dem Alltagsangebot der Familienzentren

Ergebnisse und Auswirkungen

Durch die Arbeit der Familienzentren

  • haben Kinder die Möglichkeit zu Kontakten und zum sozialen Lernen.
  • wird der Erfahrungsaustausch zwischen Eltern ermöglicht.
  • können Frauen ihre sozialen Kompetenzen erhalten und erweitern.
  • können tragfähige Lebensperspektiven für allein Erziehende entwickelt werden.
  • können krisenhafte Entwicklungen in Familien können früher erkannt, abgemildert oder bereinigt werden, noch bevor weitergehende aufwendigere Maßnahmen erforderlich werden.

Insgesamt gesehen sind Familienzentren für die Kommunen ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur familienfreundlichen Gemeinde. Die in Familienzentren geförderten Kompetenzen wirken sich positiv auf das Zusammenleben in der Gemeinde aus.

Personalbedarf

Da die Familienzentren von engagierten Bürgern geführt werden, entsteht für die Gemeinde kein zusätzlicher Personalbedarf.

Raumbedarf

Die Gemeinden stellen mietfrei Räume und ihre Ausstattung zur Verfügung.