Preisgekröntes Agenda-21-Projekt "Kindergesundheit"

Verringerung des Anteils übergewichtiger Kinder in Karlsruhe

Träger

Stadt Karlsruhe, Krankenkassen

Anlass und Ziele

1999 hat sich die Stadt Karlsruhe als eine von insgesamt 16 Kommunen und Landkreisen am Forschungsvorhaben "Indikatoren im Rahmen einer Agenda 21" des Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg und weiterer Bundesländer beteiligt.

In Ermangelung anderer Daten wurde als Indikator für die Kindergesundheit der Anteil übergewichtiger Kinder zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung gewählt, der in Karlsruhe wie in zahlreichen anderen Städten eine steigende Tendenz aufweist. Eine im Rahmen der Projektvorbereitung bei über 5.600 Kindern zwischen drei und sieben Jahren durchgeführte Grunderhebung des Body-Maß-Index zeigte, dass der Trend zum Übergewicht bereits im Kindergartenalter einsetzt.

Dieser Entwicklung wollte die Stadt Karlsruhe nicht tatenlos zusehen und man verständigte sich auf Initiative des Gesundheitsdezernenten Bürgermeister Ullrich Eidenmüller mit Vertretern der Krankenkassen im Jahr 2000 darauf, ein dreijähriges Pilotprojekt zum Thema Kindergesundheit in Karlsruhe durchzuführen.

Die Projektstruktur wurde gemeinsam mit dem Gesundheitsamt, der Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege, dem Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe, der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und in Abstimmung mit den Trägern der Kindergärten entwickelt. Das Projekt endet 2005.

Zielgruppen

Karlsruher Kindergarten- und Schulkinder, Eltern, Erzieher/innen

Zusammenarbeit

Abteilung Umwelt und Gesundheit der Stadt Karlsruhe, Krankenkassen, Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege, Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe, Bundesforschungsanstalt für Ernährung, Ernährungszentrum Mittlerer Oberrhein, Träger der Kindergärten

Angebote und Umsetzungsschritte

Im Rahmen des Projekts wurde von der Annahme ausgegangen, dass Übergewicht bei Kindern hauptsächlich durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel verursacht wird. Dementsprechend müsste durch gezielte Förderung gesunder Ernährung, eines ausreichenden Maßes an Bewegung und einer nachhaltigen Mobilität bei den Kindern und in ihrer Lebenswelt mittelfristig eine deutliche Verbesserung der Situation und langfristig eine Senkung der Krankheitskosten erreichbar sein.

Zur Erreichung des Projektziels "Verringerung des Anteils an übergewichtigen Kindern bei der Schuleingangsuntersuchung" wurden deshalb folgende Maßnahmen durchgeführt:

  • Interventionen zum Bewegungs-, Ernährung- und Mobilitätsverhalten
  • Herausgabe von Infobriefen zu Themen und Ergebnissen aus dem Projekt
  • Veranstaltung von Fortbildungen für Erzieher/innen
  • Veranstaltung von Elternabenden

Für die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation wurden unter den Karlsruher Kinderbetreuungseinrichtungen 13 Kindergärten bzw. Kindertagesstätten mit insgesamt rund 900 Kindern als Untersuchungsgegenstände ausgewählt. Die Begleitforschung wurde durch

  • das Institut für Sport und Sportwissenschaft Universität Karlsruhe,
  • die Bundesforschungsanstalt für Ernährung Karlsruhe
  • und durch das Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Karlsruhe durchgeführt.

Ergebnisse und Auswirkungen

Dem Projekt ging 2002 eine Schuleingangsuntersuchung von über 7000 Kindern in 142 Einrichtungen voraus, die zeigte, dass die Tendenz zum Übergewicht bereits im Kindergartenalter angelegt wird. Eine erste Projekt-Zwischenbilanz im Jahr 2003 ergab, dass der ursprüngliche Anteil der übergewichtigen Kinder bereits nach der Hälfte der Projektlaufzeit gegenüber dem Vorjahr um 2 % reduziert werden konnte. Zusätzlich konnte die Tendenz zu wachsendem Übergewicht mit zunehmendem Alter bei Kindern auf niedrigerem Niveau gehalten werden. Allerdings setzen nach wie vor Jungen deutlich mehr Übergewicht an, als die Mädchen. Insgesamt hatten 2002 bei der Einschulung noch 23 % der siebenjährigen Kinder Übergewicht, während es ein Jahr später nur noch 14,7 % waren.

Außerdem wurde als Ergebnis des Projekt ein Handbuch herausgegeben, das Projektmaßnahmen und -ergebnisse ausführlich dokumentiert. Das Handbuch ist primär für Erzieherinnen und Erzieher gedacht, aber auch für pädagogische Fachberatungen der Träger von Kindertageseinrichtungen, für interessierte Eltern oder für den Einsatz an Fachschulen geeignet. Die 47-seitige Broschüre bietet Spielanleitungen, Fortbildungsangebote, Literaturhinweise und Tipps für Arbeitsmaterialien und Veranstaltungen. Sie wurde allen Karlsruher Kindergärten und Grundschulen zur Verfügung gestellt. Außerdem kann sie im Internet unter www.karlsruhe.de/Umwelt heruntergeladen werden.

Die Stadt Karlsruhe hat für das Projekt "Kindergesundheit" im Rahmen der Ausschreibung zum Landespräventionspreis 2005 einen ersten Preis erhalten.

Besondere Kennzeichen des Projekts aus Sicht der Verantwortlichen

  • Neuartige Idee
  • Antwort auf neuen Bedarf oder neue Zielgruppe
  • Neue Kooperationen
  • Nachhaltige Wirkung
  • Niedrigschwelliger Zugang für die Zielgruppe
  • Qualitätssicherung

Finanzierung

Die Gesamtkosten des Projekts (einschließlich Personalkosten) belaufen sich auf über 600.000 ?.