Vertragen statt Schlagen

Gewaltfreie Konfliktaustragung in Kindergarten und Grundschule in Hemsbach

Träger

Stadt Hemsbach in Kooperation mit der Kindertagesstätte Regenbogenland, deren Elternvertretern, der Hebel-Grundschule, dem Jugendamt Rhein-Neckar-Kreis und der örtlichen Polizei.

Anlass und Ziele

Der Themenbereich "Gewalt" ist in aller Munde. Mit großer Sorge muss bereits in Kindergärten und Grundschulen beobachtet werden, dass physische und psychische Gewalt an der Tagesordnung sind. Die Bereitschaft von Kindern und Jugendlichen, Gewalt als Mittel zur Konfliktbewältigung einzusetzen, wächst. Ihnen fehlen sinnvolle Alternativen zur Konfliktlösung und zum Aggressionsabbau. Aus der Überlegung heraus, dass Prävention frühzeitig beginnen muss, da schon im Kindesalter entscheidende Weichen für ein späteres Verhalten gestellt werden, setzt das Projekt in der Kindertagesstätte an und wird bis zum Übergang in eine weiterführende Schule fortgesetzt.

Ziel des Projekts ist es, der auftretenden Gewalt bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken, eine positive Auseinandersetzung mit diesem Thema zu beginnen und den Kindern und Jugendlichen Konfliktlösungsmöglichkeiten abseits der Gewalt zu vermitteln. Es sollen Grenzen, Regeln und Werte vermittelt und das Verständnis füreinander gefördert werden.

Zielgruppen

Vorschulkinder mit deren Eltern

Zusammenarbeit

Das Projekt findet in enger Kooperation zwischen der Stadt Hemsbach, der Kindertagesstätte Regenbogenland, deren Elternvertretern, der Hebel-Grundschule sowie dem Jugendamt Rhein-Neckar-Kreis und der örtlichen Polizei statt.

Angebote und Umsetzungsschritte

Das Projekt "Vertragen statt Schlagen" dauert 5 Jahre und wurde am 13. Oktober 2001 mit den Vorschulkindern der Kindertagestätte Regenbogenland begonnen.

Begleitet werden die Kinder und deren Eltern bis zu dem Übergang in eine weiterführende Schule. Sowohl das erste Projektjahr in der Kindertagesstätte als auch die weiteren vier Projektjahre in der Grundschule zeichnen sich durch viele Aktivitäten und Angebote für die Projektkinder und ihre Eltern sowie durch eine intensive Zusammenarbeit aller Projektteilnehmer aus.

Im Rahmen eines Teilprojekts "Gewalt begreifen", wird in Zusammenarbeit mit Theaterpädagogen/-innen ein Theaterstück entwickelt, geprobt und aufgeführt, um einen Eindruck über das Gewaltpotential und das Konfliktverhalten der Projektkinder zu gewinnen. Dieses Teilprojekt wird durch das Sozialministerium Baden-Württemberg finanziert.

Während den "Waldwochen" können die Projektkinder den Wald als Lebens- und Spielraum, in dem sie sich frei bewegen und mit Spaß spielen können, für sich entdecken. Die Erklärungen eines Försters zu Wald und Natur wird mit einer Junior-Försterprüfung abgeschlossen.

Ein mobiler Kletterturm ermöglicht es den Projektkindern ihre Grenzen kennen zu lernen, Mut und Abenteuerlust zu erleben, Herausforderungen standzuhalten, einen Zuwachs an Selbsterfahrung zu gewinnen und ihre Teamfähigkeit zu stärken. Das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl der Projektkinder als Voraussetzung dafür, Alltagsprobleme konstruktiv und kommunikativ miteinander zu lösen, werden gestärkt.

Eltern können von verschiedenen Seminaren, Bücherausstellungen und Informationsabenden zu Themen wie "Grenzen setzen", "Konflikte im Alltag mit Kindern" und "Wie gefährlich sind eigentlich Computerspiele" Gebrauch machen oder den Elternstammtisch besuchen.

Elternbriefe informieren Eltern über alles, was sie über Erziehung wissen wollen.

Während des Projektverlaufs in der Grundschule wird eine Befragung der Eltern zur persönlichen Einschätzung und Meinung über ihr Kind vorgenommen.

Im Verlauf des Projekts werden Schulkinder der 4. Klasse zum Themenkomplex "Gewalt-Ursachen, Folgen, Auswege" befragt und die Ergebnisse mit den Erfahrungen und Einschätzungen der Projektkinder verglichen.

Ergebnisse und Auswirkungen

Speziell nach dem 1. Projektjahr in der Kindertagesstätte konnte man feststellen, dass sich Freundschaften unter den Kindern entwickelten, die vorher nicht zu beobachten waren. Ebenso war der Kontakt zwischen den Eltern und zwischen Erzieherinnen und Eltern intensiver als zuvor. Eltern und Kinder haben sich als große Projektfamilie empfunden.

In den weiteren vier Projektjahren in der Grundschule konnte die Weiterentwicklung des sozialen Lernens erfolgreich umgesetzt werden. Stellungnahmen von Lehrern bezeugen, dass sich Projektkinder sehr stark mit den Ansprüchen des Projekts identifizieren und ihre Mitschüler positiv beeinflussen. Es hat sich ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Schülern entwickelt. Dadurch gibt es in der Klasse weniger Streitpunkte, die Arbeit der Lehrkräfter mit den Schülern ist angenehmer und ruhiger geworden und ermöglicht Lehrern und Lehrerinnen einen anderen Zugang zu den Kindern.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Bei der Entwicklung und Umsetzung des Projekts kam es öfter zu Unstimmigkeiten, da das Konzept nicht vorgegeben war und die Arbeitsweisen der verschiedenen Institutionen (Kindertagesstätte/Schule/Polizei) sehr unterschiedlich waren.

Besondere Kennzeichen des Projekts aus Sicht der Verantwortlichen

  • Die Besonderheit des Projektes ist es, dass alle Projektteilnehmer gemeinsam die Zielsetzung sowie den Verlauf des Projektes erarbeitet haben und innerhalb des Projektes jederzeit auf die unterschiedlichen Situationen und Gegebenheiten reagieren und entsprechende Veranstaltungen durchführen können.

Finanzierung

Das Projekt wird durch städtische Mittel aus dem Jugendetat finanziert.

Besondere Rahmenbedingungen vor Ort

Die Jugendarbeit hat in Hemsbach einen hohen Stellenwert. Das belegt zum einen der gute Personalstand in diesem Bereich (drei hauptamtliche Mitarbeiter), als auch die konkrete Unterstützung der Jugendarbeit durch den Bürgermeister.

Vorteilhaft für den Erfolg des Projekts war auch, dass die Kindertagesstätte und die Grundschule in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander liegen (kurze Wege) und mit der Polizei bereits vor dem Projekt im Rahmen der Gewaltprävention zusammengearbeitet wurde.

An­sprech­part­ner

Frau Jutta Stölzing | Kindertageseinrichtung Regenbogenland | Gleiwitzerstr. 42 | 69502 Hemsbach | Tel. 06201/ 74675 | » E-mail