Familien-Zentrum-Freudenstadt e.V.

Langjährige Erfahrung, vielfach ausgezeichnet

Anlass und Ziele

Die über 400 Mütter- und Familien-Zentren in Deutschland bieten angesichts wachsender individueller Isolation einen lokalen Rahmen für den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft. Hintergrund ihrer Arbeit ist die Zielsetzung, geschwächte familiäre Bindungen soweit als möglich zu kompensieren.

Familien-Zentren verstehen sich als offene Begegnungsorte mit neuartiger Konstruktion und Arbeitsweise: In den Familien-Zentren werden innovative Formen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens entwickelt und praktiziert. Die Einrichtungen haben deshalb Vorbildfunktion für den Aufbau lebendiger und nachhaltiger Nachbarschaften.

Ehrenamtliche Kräfte bringen ihr Expertenwissen und ihre Ideen ein, engagieren sich bei der Gestaltung und Verwaltung des Zentrumsalltags und übernehmen Verantwortung für das Gemeinwohl. In den Familien-Zentren wird bürgerschaftliches Engagement vorbildlich umgesetzt und gelebt. Bei den Beteiligten wird durch diesen Ansatz ein Bewusstsein für die eigenen Stärken geschaffen und es entstehen in begrenztem Umfang familienfreundliche Arbeitsplätze. Außerdem ist es ein zentrales Anliegen der Familien-Zentren, eine Kultur der Wertschätzung bürgerschaftlichen Engagements aufzubauen.

Gegenstand der Arbeit der Familien-Zentren ist nicht eine Überwindung traditioneller Familienstrukturen sondern vielmehr um eine Öffnung der Familie, um den veränderten Rahmenbedingungen des Familienlebens gerecht zu werden. Diese Grundposition kommt in der Arbeit des Familien-Zentrums-Freudenstadt deutlich zum Ausdruck: Familien werden nicht mehr ausschließlich als Empfänger familienpolitischer Leistungen wahrgenommen, sondern auch als Akteure, die Familienpolitik selbst mitgestalten: Die Familien erleben sich als hierzu kompetent und übernehmen gesellschaftspolitische Verantwortung.

Angebote und Umsetzungsschritte

Die Aktivitäten unter dem Dach des Familien-Zentrums-Freudenstadt konzentrieren sich auf sechs Bereiche:

  • Begegnung, Austausch und Kultur: Eltern-Kind-Gruppen, Offenes Café, Vernissagen, Lesungen, Gesprächskreise, Familienaktionstage, Integrationsprojekte, Familiensonntage für Jung und Alt
  • Alltagsentlastung: Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahre, mütterfreundliche Arbeitsplätze, Kinderbedarfsbörsen, Second-Hand-Verkaufsbörsen für Erwachsene, kostenlose/kostengünstige Angebote für Familien, Entgelt für Ehrenamtliche, schnelle Hilfe für Familien in Not
  • Angebote für Kinder: Soziales Kompetenztraining, Straßenfeste, Märchenstube, Kreativ-Treff, Kinderferienprogramm, Spielaktionstage, Krabbelgruppen
  • Familienbildung: Berufliche Reintegrationsmaßnahmen für Mütter, Vorträge zu Erziehung, Gesundheit, Politik, Engagementförderung, Seminare für Frauen, Fortbildungen für Ehrenamtliche, fremdsprachliche Konversationsrunden für Jung und Alt, Forum für informelle Bildung
  • Beratung: Gründungsberatung für Selbsthilfe und bürgerschaftliches Engagement, Aufbau internationaler Mütterzentren, Konfliktberatung, niedrigschwellige Schnittstelle zu Institutionen
  • Lobbyarbeit für Familien: Partnerschaften mit Institutionen, politische Veranstaltungen (regional und überregional), Vernetzung, Sitz im Jugenhilfe-Ausschuss des Kreistages Freudenstadt

Ergebnisse und Auswirkungen

Das mittlerweile seit 14 Jahren bestehende Familien-Zentrum-Freudenstadt mit heute 160 Mitgliedern ist als öffentlicher Raum der Begegnung institutionalisiert und trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung des Zusammenhalts im sozialen Nahraum bei.

Es hat sich im Lauf der Jahre zu einem Kompetenzzentrum in Fragen des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbsthilfe entwickelt und ist auf regionaler wie auf Landes- und Bundesebene bei der Erarbeitung von entsprechenden Konzepten und Strategien verläßlicher Ansprech- und Kooperationspartner für Organisationen, Verbände, Verwaltungen und Parlamente.

Das Familien-Zentrum-Freudenstadt stellt "sozialen Raum" bereit, in dem sich Menschen, hier vor allem Mütter, (wieder) als Teil einer Gemeinschaft begreifen und die durch diese Erfahrung wieder dazu befähigt werden können, innerhalb wie außerhalb dieses Raumes eigene Netzwerke aufzubauen und zu nutzen.

Die Arbeit des Familien-Zentrums-Freudenstadt wirkt angesichts einer zunehmenden Überforderung und Orientierungslosigkeit junger Eltern, die schlimmstenfalls zu Krankheit und Vernachlässigung der Kinder führen kann, präventiv. Bei Kindern und Erwachsenen werden Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber zu übernehmen, gefördert. Durch die Bildung eines kleinräumigen Solidarnetzes wirkt man außerdem einer unzureichenden Kommunikationsfähigkeit im zwischenmenschlichen Bereich entgegen.

Das Familien-Zentrum-Freudenstadt unterstützt darüber hinaus die Familien vor Ort erfolgreich bei der Bewältigung permanent erforderlicher Anpassungs- und Erziehungsleistungen. Es widmet sich seit vielen Jahren der Integrationsarbeit und entwickelt innovative Lebensmodelle für Jung und Alt. Das Familien-Zentrum spielt außerdem im präventiven Familienselbsthilfebereich eine wichtige Rolle und trägt nachhaltig zur Kosteneinsparung im reparativen Bereich bei. Vielfache Auszeichnungen sprechen hier für sich.

Insgesamt ist das Familien-Zentrum-Freudenstadt heute im Kreis Freudenstadt ein verlässlicher Partner des psychosozialen Systems. Aus einer Idee ist eine starke Gemeinschaft entstanden, die durch das Potential und den unermüdlichen Einsatz überwiegend ehrenamtlicher Kräfte getragen wird.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Die flexible, bedarfsorientierte und nachhaltige Antwort des Familien-Zentrums-Freudenstadt auf nicht ausreichende familienpolitische Lösungsansätze hat ein stetes Wachstum des Zentrums zur Folge und braucht Planungssicherheit.

Personalbedarf

35 ständig aktive ehrenamtliche Kräfte, eine 50%-Stelle seit März 2005

Finanzierung

Die Kosten für den ganzjährigen Betrieb werden im wesentlichen über Veranstaltungseinnahmen, Mitgliedsbeiträge, einen städtischen Mietkostenzuschuss, einen Zuschuss der Jugendhilfe, geringfügige Landeszuschüsse, Bußgelder, sowie private Geld- und Sachspenden und Preisgelder finanziert.