Bewerbungstraining mit den "Grauen Coaches"

Ehrenamtliche Initiative zur Berufsvorbereitung für Hauptschüler

Träger

Seniorenbüro der Stadt Offenburg

Anlass und Ziele

In den vergangenen Jahren ist es für Schulabgänger schwieriger geworden, direkt im Anschluss an die Schule einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. Es ist deshalb wichtig, die Vorbereitung auf den Einstieg in das Berufsleben zu intensivieren, insbesondere bei Absolventinnen und Absolventen von Hauptschulen. In der Stadt Offenburg wurde zu diesem Zweck mit "Graue Coaches" eine Initiative zur Berufsvorbereitung für Schüler gegründet.

Die "Grauen Coaches" sind ein Zusammenschluss von Führungskräften im Ruhestand. Sie bieten auf ehrenamtlicher Basis unter anderem ein Bewerbungstraining für Hauptschüler der 8. Klasse an. Im Rahmen des Trainings können die Schüler ein komplettes Bewerbungsverfahren von der Erstellung der Bewerbungsunterlagen bis hin zur Simulation des Bewerbungsgesprächs durchspielen. Die Coaches unterstützen die Jugendlichen bei den einzelnen Schritten, geben Tipps und beantworten Fragen.

Auf diese Weise können die Jugendlichen mit einer Bewerbung verbundene Ängste und Unsicherheiten abbauen. Durch das Coaching sollen die Jugendlichen eine selbstbewusste positive Grundhaltung zu ihrer Stellensuche und ihrer zukünftigen Rolle als Auszubildende entwickeln.

Zielgruppen

Schüler der 8. Klasse der Georg-Monsch-Hauptschule in Offenburg

Zusammenarbeit

"Graue Coaches", Seniorenbüro der Stadt Offenburg sowie ein Mitarbeiter des Stadtteil- und Familienzentrums Oststadt (SFZO)

Angebote und Umsetzungsschritte

Das Projekt wurde den Schülern der 8. Klassen Anfang Mai 2004 vorgestellt. In Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern wurde ein Bewertungsraster enrwickelt, damit alle Teilnehmer sowohl für die Bewerbungsmappe als auch für den Ablauf des Vorstellungsgespräches eine schriftliche Rückmeldung erhalten. Mit allen Schülern/-innen, die bis zum Stichtag eine Bewerbung eingereicht haben, wird ein Bewerbungsgespräch durchgeführt. Die Gespräche finden im Seniorenbüro statt, d.h. die Schüler/-innen verlassen für das Gespräch ihre gewohnte Lernumgebung. Die Gespräche wurden bewusst vormittags in die Schulzeit gelegt, um die Verbindlichkeit des Angebots zu unterstreichen bzw. Ausfälle zu vermeiden. Für die Gespräche sind 20 Minuten Vorstellungsgespräch und zehn Minuten Rückmeldung zum Verlauf des Gesprächs vorgesehen.

Die Bewerbungsmappen mit den dazugehörigen Unterlagen wurden von den 8. Klassen im Unterricht erstellt. Die Abgabe der Unterlagen war strikt terminiert, um einen möglichst realistischen Ablauf zu gewährleisten. Die Jugendlichen wurden im Unterricht mit Verhaltensregeln, dem idealtypischen Ablauf von Vorstellungsgesprächen und möglichen Fragen vertraut gemacht. Die Schüler erhielten schriftliche Einladungen zum Vorstellungsgespräch mit Termin und Ort. Die Verantwortung pünktlich zu sein und sich vorab zu orientieren fiel also den Schülern zu. Die Schüler wurden von den Coaches einzeln zum Gespräch gebeten. Es wurde eine Bewerbungssituation durchgespielt, wie es im Ernstfall sein könnte. Danach bekamen die Jugendlichen Rückmeldung und individuelle Tipps, wie sie ihr Auftreten noch optimieren können. Die Schüler erhielten ihre Bewerbungsmappen mit einer schriftlichen Beurteilung der Mappe und des Vorstellungsgespräches zurück.

Ergebnisse und Auswirkungen

Circa ein Drittel der Bewerbungsmappen wurde bis zum Stichtag eingereicht. Ein Großteil der abgegebenen Mappen war in einem äußerlich nicht akzeptablen Zustand. Den Schülern scheint noch nicht bewusst zu sein, wie entscheidend sich der erste Eindruck auf das weitere Bewerbungsverfahren auswirkt. Im Gegensatz dazu gaben sich die Schüler wesentlich mehr Mühe, beim Vorstellungsgespräch auf angemessene Kleidung und höfliche Umgangsformen zu achten.

Die Schüler bewerteten das Projekt durchweg positiv, insbesondere das "Ernstgenommenwerden" durch die älteren Coaches und die wertvollen Tipps für eine Bewerbung. Die Bereitschaft der Coaches, ihre Erfahrungen an die Jugendlichen weiterzugeben und die Offenheit der Schüler leisten sicherlich einen Beitrag zu einem respektvollen Umgang der Generationen miteinander. Die Grauen Coaches haben für eine Neuauflage des Projektes im neuen Schuljahr bereits ihre Mitarbeit zugesagt.