Offenburger Stadtteil- und Familienzentren

Stadtteilentwicklung mit Bürgern als Experten in eigener Sache

Träger

Stadt Offenburg

Anlass und Ziele

Ziel der Stadtteil- und Familienzentren ist es, bei den Stadtteilbewohnern Interesse für die Stadtteilentwicklung zu wecken. Die Bürger haben als anerkannte Experten in eigener Sache die Möglichkeit, ihren Stadtteil mitzugestalten und selbst Verantwortung zu übernehmen. Ihre Themen und Anliegen werden aufgegriffen und mit ihnen gemeinsam weiterentwickelt. Die Stadtteil- und Familienzentren verstehen sich als Motor für das bürgerschaftliche Engagement im Stadtteil. Sie sind Schnittstelle zwischen Bewohnern und Verwaltung.

Im September 1993 wurde im Stadtteil Uffhofen das erste Offenburger Stadtteil- und Familienzentrum eröffnet. Seine Konzeption basierte auf den Erfahrungen aus 15 Jahren Gemeinwesenarbeit in einem sozialen Brennpunkt, aus der Umsetzung einer konsequent betriebenen dezentralen Kinder- und Jugendarbeit sowie aus der Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen zu Lern-, Betreuungs- und Begegnungsorten. Auslösender Impuls für die Gründung des Zentrums war das Scheitern des Neubauprojekts "Haus der Begegnung" für Jugendliche und Erwachsene an den finanziellen Gegebenheiten Anfang der 90er Jahre. Der Ausbau der im Stadtteil erfolgreich positionierten Kindertagesstätte zu einem multifunktionalen sozialen Dienstleistungszentrum erwies sich damals als kostengünstigere Alternativlösung.

Positive Erfahrungen mit dem Erstling zogen die Eröffnung weiterer Stadtteil- und Familienzentren nach sich. Neben dem Zentrum Uffhofen existieren mittlerweile in vier weiteren Stadtteilen vergleichbare Einrichtungen mit unterschiedlicher Trägerkonstellation (Albersbösch, Oststadt, Stegermatt und Nordweststadt). Für die Innenstadt ist die Eröffnung eines weiteren und vorerst letzten kommunalen Stadtteil- und Familienzentrums geplant.

Die Stadtteil- und Familienzentren haben heute bereichsübergreifend fünf wesentliche Aufgaben, die auf eine Selbstorganisation der Stadtteilbewohner hinwirken sollen:

  • Aktivierung der Bewohner
  • Vernetzung
  • Integration
  • Bildung, Erziehung und Betreuung
  • Förderung einer lokalen Ökonomie

Zielgruppen

Familien, Kinder, Jugendliche, Senioren in den Offenburger Stadtteilen

Angebote und Umsetzungsschritte

Grundsätzlich verfügen die Stadtteil- und Familienzentren über eine ähnliche organisatorische Grundstruktur. Sie unterscheiden sich in Hinblick auf ihre Angebote, die den unterschiedlichen Bedarfslagen in den einzelnen Stadtteilen Rechnung tragen. Struktur wie Angebote der Zentren sind eingebettet in das 1989 entstandene und bis heute fortgeführte kommunalpolitische Schwerpunktprogramm "Kinder- und familienfreundliches Offenburg."

Umsetzungsschritte zur Aktivierung der Bürger:

  • Stadtteilkonferenzen als Foren zum direkten Gespräch zwischen Verwaltung und Bürgern, freien Trägern und sonstigen Institutionen
  • Zukunftswerkstätten zur Entwicklung von Zielen und geeigneten Maßnahmen unter Beteiligung der Bürger
  • Befragungen zur regelmäßigen Erfassung von Problemen und Anliegen der Bürger im Stadtteil

Umsetzungsschritte Vernetzung:

  • Stadtteil- und Familienzentrum als Motor zur Vernetzung der im Stadtteil relevanten Gruppierungen und Akteure
  • Organisation von Diskussionsforen zu Zielen, Möglichkeiten, Interessen und Bedürfnissen der verschiedenen Gruppen im Stadtteil mit dem Ziel einer Einigung auf Themen und Schwerpunkte, die gemeinsam angegangen werden
  • Erzeugung von Aufmerksamkeit für die Wirkung sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung als Mittel zur Steigerung der Lebensqualität im Stadtteil

Umsetzungsschritte Integration:

  • intensive Förderung der Begegnung zwischen den Generationen und den Gruppen unterschiedlicher kultureller, ethnischer oder sozialer Herkunft, z.B. über Sprachförderung von Migranten
  • Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern durch Maßnahmen der Familienbildung

Umsetzungsschritte Bildung, Erziehung und Betreuung

  • Förderung von Selbstbildungsprozessen bei Kindern und Jugendlichen
  • je nach Bedarfslage in den Stadtteilen spezifische Schwerpunkte, z.B. Deutsch-Französische Gruppen, Familiengruppen für Kinder von 1-6 Jahren, Schülerhorte, interkultureller Ansatz, Medienprofil oder Förderung kreativer Potenziale durch Werkstatt- und Atelierarbeit
  • Entwicklung von Angeboten für den Übergang Schule - Beruf, z.B. Mentorenmodelle zur Berufsfindung
  • Förderung von lebenslangem Lernen

Umsetzungsschritte Förderung einer lokalen Ökonomie:

  • Maßnahmen zur Sicherung der infrastrukturellen Versorgung in den Stadtteilen
  • Unterstützung privater Serviceangebote wie Fahrdienste, Einkaufs- und Zustellservice, Begleitung zum Arzt, Kinderhüten, Hausaufgabenbetreuung auf freiwilliger- oder auf Honorarbasis

Personalbedarf

Die Stadtteil- und Familienzentren verfügen zielgruppenbezogen in der Kinder- und Jugendarbeit und der personalintensiven Kindertageseinrichtung über eigene Bereichsleitungen. Zur Umsetzung der allgemeinen Aufgaben verfügen die Leitungen der Stadtteil- und Familienzentren zusätzlich über verschiedene Assistenzkräfte - von Hauswirtschaft, Sekretariat bis hin zu pädagogischem Personal. Diese Assistenzkräfte werden bedarfsorientiert flexibel eingesetzt.