Frühe Prävention bei Migrantenfamilien - Das Projekt "FERDA - Zukunft"

Ein Kooperationsprojekt des Familienforums Reutlingen und des Lokalen Bündnisses für Familie im Landkreis Reutlingen

Träger

Familienforum Reutlingen, Lokales Bündnis für Familie im Landkreis Reutlingen

Anlass und Ziele

Die Förderung und Erziehung von Kleinkindern ist grundlegend für deren Entwicklung. So können sich Unsicherheiten der Eltern bei der Erziehung und mangelnde Beratungs- und Bildungsangebote negativ auf die Entwicklung von Kindern auswirken. Migrantenfamilien fällt es oft schwer, Unterstützungsmöglichkeiten zu finden, da kulturelle Unterschiede und sprachliche Schwierigkeiten sich als große Hürden erweisen.

Das Familienforum Reutlingen, Lokales Bündnis für Familie im Landkreis Reutlingen, hat sich im Jahr 2002 mit der Bildungs- und Beratungslandschaft im Landkreis Reutlingen beschäftigt. Es zeigte sich, dass es zwar qualitativ hochwertige Beratungs- und Bildungsangebote gibt, diese jedoch nur selten von jungen Eltern mit Migrationshintergrund genutzt werden.

Mit dem Ziel, den Zugang zu Präventions-, Beratungs- und Bildungsangeboten bei zugewanderten jungen Familien mit Kleinkindern zu verstärken, wurde das Projekt "FERDA - Zukunft" gegründet. FERDA ist eine "Elternschule" im Bereich der frühkindlichen Erziehung und Förderung, ein Kooperationsprojekt des Familienforums Reutlingen.

Zielgruppen

  • Familien mit Migrationshintergrund mit Kindern im Kleinkind- und Grundschulalter

Zusammenarbeit

  • Bruderhausdiakonie - Jugendmigrationsdienst und Oberlin-Jugendhilfeverbund
  • Familienforum - Arbeitsgruppe Bildung
  • Haus der Familie
  • BeKi - Bewusste Kinderernährung, Landesinitiative Baden-Württemberg
  • Ev. Fachschule für Sozialpädagogik
  • Kreisdiakonieverband - Psychologische Beratungsstelle
  • Kreisgesundheitsamt
  • Kreisjugendamt - Beratung für Jugend und Erziehungsfragen
  • Volkshochschule Reutlingen
  • Praxis für Allgemeinmedizin - Herr Dr. Gugel
  • Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie - Frau Dr. Jonda-Starrach
  • türkisch-deutsche Fachleute für Übersetzung und Kinderbetreuung

Angebote und Umsetzungsschritte

Da im Landkreis Reutlingen türkische und russische Familien einen großen Anteil der Migranten stellen, wurden zunächst für diese Zielgruppen Veranstaltungen geplant. An den Veranstaltungen nehmen zugewanderte Eltern von Klein- und Grundschulkindern teil. Bis jetzt wurden drei Veranstaltungsreihen mit türkischen Familien durchgeführt, eine mit russischen Familien läuft gerade.

Durch die regelmäßige Teilnahme an 6-8 Veranstaltungen pro Jahr werden die Eltern in verschiedenen Bereichen der Kinderziehung geschult. Diese Unterstützung soll eine erfolgreiche und ausgeglichene Erziehung fördern. Nach regelmäßiger Teilnahme an dem Projekt erhalten die Eltern ein Zertifikat, das den erfolgreichen Abschluss der "Elternschule" bescheinigt.

In den Veranstaltungen wird auf Deutsch - mit türkischer bzw. russischer Übersetzung - Wissen über bestimmte Themenbereiche durch Experten und Fachleute an die Eltern vermittelt:

  • Gesunde Entwicklung bei Kindern
  • Gesunde Ernährung
  • Sprachentwicklung
  • wie der Kindergarten die Entwicklung des Kindes unterstützt
  • Elternrolle und Erziehungsstile
  • wie die Kreativität von Kindern gefördert werden kann
  • Rat und Hilfe bei Verhaltensauffälligkeiten

Die Themeninhalte werden in den Sitzungen abwechselnd durch Theorie und Praxis vermittelt. In den input-orientierten theoretischen Teilen werden die Teilnehmer von den Experten in die Themen eingeführt. Hier haben die Zuhörenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen. In den praxisorientierten Teilen wird das Erlernte durch spielerische Übungen umgesetzt. Am Anfang jeder Veranstaltung wird die vorherige Sitzung nochmals kurz zusammengefasst.

Es ist sehr wichtig, muttersprachliches Fachpersonal in das Projekt miteinzubeziehen, damit die jungen Eltern Vertrauen aufbauen und sprachliche Hindernisse bewältigt werden können.

Die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt nicht nur das Familienforum Reutlingen, das das Projekt z.B. in ausländischen Vereinen vorstellt, sondern auch die regionale Presse, die über das Projekt berichtet. Auch in einer Sitzung des Ausländerrates der Stadt Reutlingen wurde das Projekt vorgestellt. Darüber hinaus hat sich ein studentisches Seminar der Sonderpädagogischen Fakultät der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg mit "FERDA" befasst.

Ergebnisse und Auswirkungen

Während den Veranstaltungen wurde deutlich, wie das Interesse der Eltern für die Themengebiete wuchs. Im Laufe der Veranstaltungen wurden immer mehr Fragen von den Teilnehmern selbst gestellt, was zu einem regen Austausch untereinander führte.

Bei der ersten Veranstaltungsreihe mit türkischen Müttern zeichnete sich deutlich ab, dass die Frauen es wünschenswert fänden, auch Väter für die Teilnahme an den Sitzungen zu gewinnen bzw. eigene Vätertermine zu planen. Es sei wichtig, die Väter in die Erziehung der Kleinkinder miteinzubeziehen. Inzwischen gibt es pro Veranstaltungsreihe je zwei Familiennachmittage bei denen auch Väter teilnehmen können.

Da die erste Veranstaltungsreihe auf großen Zuspruch und Erfolg gestoßen ist, haben sich die Kooperationsparter darauf geeinigt, das Projekt weiterzuentwickeln und fortzusetzen. Dazu müssen immer wieder neue Sponsoren gewonnen werden.

Die Verantwortlichen vom Familienforum Reutlingen sehen den Erfolg des Projekts darin, dass zugezogene Eltern deutlich offener und neugieriger geworden sind und öfter die Hilfe von Fachdiensten aufsuchen. Zusätzlich konnten in den Veranstaltungsreihen weitere Schlüsselpersonen aus der Elternschaft gewonnen werden, die die Rolle von Multiplikaror/innen übernommen haben.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Es stellte sich als schwierig heraus, die Zielgruppen für die Teilnahme an diesem Projekt zu gewinnen. Wichtig ist ein muttersprachlicher "Brückenbauer", der das ganze Projekt begleitet, um das Vertrauen der Familien zu gewinnen und sie für das Projekt zu begeistern.

Bei der ersten Veranstaltungsreihe mit türkischen Müttern übernahm ein Mitarbeiter des Jugendmigrationsdienstes der BruderhausDiakonie diese Rolle. Er gilt als Vertrauensperson vieler türkischer Familien und stand schon mit vielen Familien in Kontakt. Er motivierte die Familien zur Teilnahme, erinnerte sie an die Termine, holte die Mütter gegebenenfalls auch von zu Hause ab und begleitete sie nach den Veranstaltungen auch wieder nach Hause.

Es ist auch sehr schwer die Nachhaltigkeit und Qualität des Projekts zu gewährleisten, da es sich bei "FERDA-Zukunft" um ein rein ehrenamtliches Projekt handelt, das über Spenden finanziert wird. Es wäre wichtig, eine feste Stelle für die Planung und Koordination des Projektes zu schaffen.

Personalbedarf

  • 2 Ehrenamtliche für Leitung, Koordination, Öffentlichkeitsarbeit und Kontaktaufnahme
  • Übersetzer/innen, Multiplikator/innen, Kinderbetreuuer/innen als Honorarkräfte über Spenden finanziert

Finanzierung

Die erste Veranstaltungsreihe des Projekts "FERDA - Zukunft" wurde mit Unterstützung folgender Sponsoren realisiert: des Ausländerrats der Stadt Reutlingen, des Gemeindienstes des Inner Wheel Clubs Reutlingen-Tübingen, des Reutlinger Spendenparlaments und der Jugendkunsthochschule Reutlingen (Kooperation), gefördert von Dr. Carl-Heiner Schmid, im Rahmen der Dr. Rainer Märklin Stiftung.

Die zweite Veranstaltungsreihe fand finanzielle Unterstützung durch den Ausländerrat der Stadt Reutlingen, die Dr. Rainer Märklin Stiftung, die Volkshochschule Reutlingen, das Haus der Familie und das Kreisjugendamt Reutlingen.

Besondere Rahmenbedingungen vor Ort

Das Projekt profitiert von einem weiten Netzwerk vieler verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen und Institutionen, was die Zusammenarbeit intensiviert und erleichtert. Das Lokale Bündnis für Familien im Landkreis Reutlingen schafft die Grundlage für die Umsetzung dieses Projekts. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Experten und den muttersprachlichen Ansprechpartnern ist eine umfassende Betreuung und Beratung der Interessenten gegeben.