Familien in der Stadt

Familienbericht der Stadt Ulm

Träger

Stadt Ulm

Anlass und Ziele

Ausgangspunkte sich mit Familien zu beschäftigen waren das Jahr der Familie 1994 und ein ebenfalls in dieser Zeit in Ulm erstellter Sozial- und Armutsbericht. Im Vordergrund standen damals vor allem bedürftige Familien und isolierte Sichtweisen der einzelnen Mitglieder einer Familie (z.B. Familien in der Sozialhilfe, Kinder, alte Menschen). Ab 1998 sollte sich der Blick auf das Netzwerk Familie richten, seine Innen- und Außenbeziehungen, sowie die Lebenslagen, Bedürfnisse aber auch Potentiale von Familien im Rahmen einer kommunalen Bürgergesellschaft. Als kommunalpolitischer Impulsgeber sollte dazu ein kommunaler Familienbericht erstellt werden.

Zunächst wurde eine sehr umfassende Situationsanalyse zu den Lebenslagen von Familien erarbeitet. Dabei wurden zehn Aspekte für Familien generell aber auch speziell für Ulmer Familien sehr genau untersucht. Die Bereiche sind: Demographie, Wohnen, Ökonomie, Schule und Bildung, Arbeit, Betreuung, Familienbildung, -beratung sowie Selbsthilfeförderung, Stadtplanung, Freizeit und Gesundheit.

Im handlungsorientierten Teil des Berichts werden für die genannten Bereiche im Sinne einer familienfördernden Kommunalpolitik Leitlinien erarbeitet und konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Der Bericht enthält über 40 dieser Maßnahmen. Zusätzlich werden einzelne Projekte von Experten im Bericht ausführlich dargestellt.

Dabei wird von einem sehr weit gefassten Familienbegriff ausgegangen, nämlich: sobald zwei Generationen zusammen leben und in einer sorgenden Beziehung zueinander stehen. Der Bericht versucht immer wieder diese Vielfalt von Familie abzubilden.

Zielgruppen

  • Ausländische Familien
  • Alleinerziehende
  • Ehepaare mit 1, 2, 3 und mehr Kindern
  • Junge Familien
  • Familien in der Stadt
  • Familien in den Stadtteilen
  • Schulkinder und Jugendliche
  • Kindergartenkinder
  • Senioren
  • Erwerbstätige
  • Bürgerschaftlich engagierte Familien

Zusammenarbeit

Die Erstellung des Familienberichts fand in enger Zusammenarbeit mit einem Arbeitskreis Familie statt, in welchem alle fachkompetenten Vertreter von Institutionen, die im Bereich der Familienarbeit, -beratung und -bildung tätig sind, beteiligt waren sowie aus Vertretern der Verwaltung aus unterschiedlichen Fachbereichen.

Zur Beteiligung von Familien an der Berichtserstellung wurden zwei Werkstattgepräche durchgeführt. Die Ergebnisse flossen ebenfalls in den Bericht ein. Insbesondere die frühzeitige Beteiligung von Familien in Planungsprozesse, welche den Familienalltag betreffen, findet sich als generelle Leitlinie im Bericht wieder.

Bei der Erstellung des Berichtes wirkten außerdem das Deutsche Jugendinstitut (DJI) sowie die Familienwissenschaftliche Forschungsstelle im Statistischen Landesamt mit.

Angebote und Umsetzungsschritte

Der Bericht beschreibt sämtliche Angebote für Familien, welche eine Stadt in der Größe Ulms (115.000 Einwohner) vorhält.

Der Familienbericht wurde in den entsprechenden Gremien des Ulmer Gemeinderates vorgestellt und diskutiert. Dabei wurden für eine erste Umsetzung fünf vorrangige Ziele mit entsprechenden Projekten, ausgewählt aus den über 40 Maßnahmen, beschlossen:

  • Die Sozialverträglichkeit in der Stadtplanung und -entwicklung im Hinblick auf die Bedürfnisse von Familien
  • Der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder
  • Die Stärkung der Familienselbsthilfe: Einrichtung eines Bürgerbüros Familie; Umsetzung des Konzeptes Familienzentren
  • Zusätzliche Bildungsangebote zur Stärkung der Kompetenz der Familie bzw. der Eltern- und Partnerschaft: Einführung des Projekts HIPPY ? dem Förderprogramm für sozial benachteiligte Schulkinder; Einführung von Elternbriefen
  • Die Verbesserung der finanziellen Situation von einkommensschwachen Familien: Aufwertung des Ulmer Familienpasses; Aufwertung der Ulmer Lobby-Card
  • Durchführung einer Klausur des Ulmer Gemeinderates

Ergebnisse und Auswirkungen

  • Das Thema der familienfreundlichen Stadt kam und kommt durch die Erstellung des Familienberichtes immer wieder auf die kommunalpolitische Agenda bei den unterschiedlichen Gemeinderatsfraktionen, zuletzt im Projekt ?Demographie und Stadtteilentwicklung?.
  • Der Jugendhilfeausschuss führte eine Klausur zu diesem Thema mit ausgewiesenen Experten (u.a. Prof. W.E. Fthenakis) durch.
  • Durch die Einführung der Sozialraumorientierung für die gesamte Soziale Arbeit in der Stadt kommen die professionellen Hilfen in die Stadtteile und damit näher zu den Familien.
  • Die Einführung der Ulmer Freiwilligen-Card sieht ausdrücklich Vergünstigungen für pflegende Angehörige vor.
  • Der Ulmer Familienpass wurde aufgewertet.
  • Im Rahmen des Projektes ?Soziale Stadt? wird besonders auf sozialverträgliche Planung geachtet und über das Förderprogramm LOS ein Netzwerk zur Stärkung der Elternkompetenz aufgebaut.
  • Die Arbeit mit italienischen Familien wurde verstärkt.
  • In den Kindertagesstätten gibt es neuerdings familienfreundliche Betreuungsmodule.
  • In den Kindertagesstätten geht man offensiv das Thema Bildung an.
  • Die Betreuungsquote für die 0-3jährigen wird erhöht.
  • Die Tagespflege für Kinder wird verstärkt.
  • Die Betreuung von Schulkindern wird flächendeckend umgesetzt: v.a. durch die Einrichtung der verlässlichen Grundschule an allen Grundschulen, durch die Ausrichtung aller Innenstadthauptschulen als Ganztagesschulen, ferner durch die intensive Umsetzung des Bundesinvestitionsprogramms ?Zukunft, Bildung und Betreuung? an möglichst vielen Schulen mit Sanierungsbedarf
  • An Schulen fanden zu den Themen Bewegung und Ernährung Gesundheitsförderungsprojekte statt.
  • Die Betreuung von Demenzkranken und die Begleitung der pflegenden Familienangehörigen wird verstärkt.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Nach Fertigstellung und Beschluss des Ulmer Familienberichtes konnten aufgrund der starken Finanzeinbrüche in der Kommune wichtige Projekte (wie z.B. HIPPY, Elternbriefe, Bürgerbüro, Familienzentren) noch nicht realisiert werden. Sie werden allerdings in Anlehnung an den Familienbericht immer wieder angemahnt und auch beantragt.

Besondere Kennzeichen des Projekts aus Sicht der Verantwortlichen

  • Erstellung eines Leitbildes, eines kommunalpolitischen Roten Fadens für eine familienfreundliche Stadt

Personalbedarf

Da es sich beim Ulmer Familienbericht um viele vorgeschlagene Projekte handelt, gibt es sowohl Bedarf an zusätzlichen haupt- und ehrenamtlichen Kräften bzw. um eine Neuausrichtung von bereits vorhandenen Fachkräften.

Raumbedarf

Der größte Raumbedarf besteht v.a. für die vorgeschlagenen Familienzentren in den Stadtteilen, die jedoch mit bereits vorhandenen Bürgerzentren oder Kindertagesstätten zu kombinieren sind.

Finanzierung

Die bereits realisierten Ansätze der Ergebnisse und Auswirkungen wurden finanziert aus EU-, Landes- und Bundesmitteln, aus kommunalen Mitteln und aus Mitteln der Ulmer Bürgerstiftung.

Besondere Rahmenbedingungen vor Ort

Eine wichtige Rahmenbedingung für die künftige Begünstigung des Projektes ?familienfreundliche Stadt? wird sein, dass die Stadt Ulm v.a. durch Zuwanderung und kaum noch durch Geburten wächst.