Spielpl@tz Computer

Modellprojekt an der Familienbildungsstätte Ulm

Träger

Familien-Bildungsstätte Ulm e.V. (im Rahmen der Bildungsoffensive der Stadt Ulm)

Anlass und Ziele

Kinder wachsen heute in eine zunehmend von Medien geprägte Welt hinein. Das Erlernen und Fördern von kindlicher Medienkompetenz gehört deshalb zu den bedeutsamen pädagogischen Herausforderungen unserer Zeit und ist Teil des Bildungsauftrags der Kindergärten.

Ziele des Projekts sind:

  • Integration des Computers als Spiel- und Lernmittel in die pädagogische Arbeit der Kindertageseinrichtung.
  • Erfahrungen sammeln und Konzeptoptimierung als Vorbereitung für die Einführung des PCs in weiteren Kindertageseinrichtungen.
  • Einsatz des PCs im sozialen Kontext ? im gruppendynamischen Spiel- und Lernzusammenhang.
  • Einsatz des PCs in einer multimedialen Spiel- und Lernumgebung (Verknüpfung von Spielen und Lernen am PC mit klassischen Spiel- und Lernangeboten).
  • Allen Kindern Zugang zu neuen Medien zu verschaffen und somit Chancengerechtigkeit zu fördern.
  • Die Kinder sollen die Möglichkeit erhalten, spielerisch und selbständig verschiedene Anwendungsmöglichkeiten des Computers zu entdecken und kennen zu lernen; Förderung der Eigenexploration.
  • Erzieherinnen und Eltern sollen die kreativen, kommunikativen und lernfördernden Potenziale des Computers kennen lernen und nutzen aber auch seine Grenzen.
  • Erzieherinnen und Eltern für die Komplexität von Medien und Medienproduktionen sensibel machen.
  • Förderung der Medienkompetenz bei Erzieherinnen, Eltern und Kindern.
  • Erzieherinnen sollen Eltern gegenüber kompetente Ansprechpartner zum Thema Kinder und Computer sein.
  • Durch Öffentlichkeitsarbeit für dieses Thema Interesse zu wecken.

Zielgruppen

Erzieherinnen, Kindergartenkinder und Eltern (ca. 95 Kinder im Alter zwischen 4 und 6 Jahren sowie deren Eltern und acht Erzieherinnen aus den ausgewählten Einrichtungen nahmen 2001 und 2002 an dem Projekt teil).

Zusammenarbeit

Fünf Kindergärten in unterschiedlicher Trägerschaft haben sich am Projekt beteiligt.

Angebote und Umsetzungsschritte

Vor dem Projektbeginn wurde das Konzept zunächst auf einem Fachtag vorgestellt. Eltern und Erzieherinnen haben sich in Workshops intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Den Erzieherinnen wurde eine intensive medienpädagogische Schulung angeboten, die unerlässliche Grundlage für das Projekt war. Hierin wurden u.a. Konzepte der Medienerziehung vorgestellt und Grundfertigkeiten im Umgang mit dem PC vermittelt. Darüber hinaus standen auch der kreative Einsatz des Computers (z.B. digitale Fotokamera, Scanner, Umgang mit Text- und Malprogrammen) und der Einsatz des Internets (z.B. Suchen und Finden, Internetangebote für Kinder, Eltern und Pädagogen) im Mittelpunkt.

Das Projekt unterteilt sich in zwei aufeinander aufbauende Praxisphasen: Im ersten Zeitabschnitt stand der PC den Kindern im Freispiel zur Verfügung und wurde bei der Erarbeitung eines Themas (z.B. Wald, Bauernhof) als ein ergänzendes Medium unter vielen eingesetzt.

Im zweiten Zeitabschnitt stand das Kennen lernen der kreativen Einsatzmöglichkeiten des Computers im Vordergrund (z.B. Animationen, Malprogramme etc.). Hierbei wurden auch weitere Geräte wie beispielsweise ein Computer-Mikroskop, eine digitale Kamera oder ein Scanner miteinbezogen.

Begleitend fand eine intensive Elternarbeit statt, z.B. mit einem Aktionsnachmittag bei dem Eltern und Kinder gemeinsam am PC gespielt haben. In offener Atmosphäre wurde über das Projekt und das Medium Computer diskutiert und Verunsicherungen und Ängste aufgegriffen.

Ergebnisse und Auswirkungen

In den teilnehmenden Kindergärten wurde je ein Computerspielplatz eingerichtet, der in den Kindergartenalltag integriert werden konnte und von den Kindern als ein Angebot unter vielen angenommen wurde. Der Computer nahm bei den Kindern nicht einen derart großen Stellenwert ein, dass andere Angebote vernachlässigt wurden. Er hat sich vielmehr als kreativitätsförderndes und lernanregendes Medium herausgestellt. Entgegen aller Befürchtungen hat das Spiel am PC soziale Kompetenz gefördert. So entstanden z.B. rege Kommunikationsprozesse um das Geschehen auf dem Bildschirm. Kinder haben dem Umgang mit dem PC erlernt und sehr genaue Vorstellungen entwickelt, wie sie eigene Ideen am PC umsetzen können.

Für die Erzieherinnen hat sich eine höhere Akzeptanz und Kompetenz im Umgang mit diesem Medium ergeben. Erzieherinnen beurteilen das Projekt als Erweiterung ihres Horizonts in der kreativen Arbeit mit Kindern. Sie sehen den Computer als bereichernde Ergänzung zum Gesamtprogramm, er gehört inzwischen zum festen Bestandteil der Einrichtungen. Erzieherinnen, die inzwischen die Einrichtung gewechselt haben, richteten auch dort einen Computerspielplatz ein.

Auch bei den Eltern hat sich die anfänglich vorherrschende Skepsis gelegt. Eine Umfrage in den Kindergärten hat ergeben, dass sich die Eltern die Beibehaltung dieses Angebots wünschen.

Für das Projekt wurde die Familienbildungsstätte Ulm e.V. mit einer Fördergabe des "Hans Bausch Mediapreis 2003" des SWR ausgezeichnet.

Ein neues Projekt ist die Weiterbildung zur Fachkraft für Medienpädagogik im Kindergarten, Schwerpunkt: Neue Medien (Februar 2004 ? Mai 2005). Diese Weiterbildungsinitiative wird von der Landesstiftung Baden-Württemberg im Rahmen der "Innovativen Projekte in der Weiterbildung" gefördert.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung

Es bestanden zunächst Bedenken, der Computer könnte zu Vereinzelung und Vereinsamung führen und sich negativ auf die Förderung der kindlichen Phantasie, Kreativität und Spielfreude auswirken. Diese Bedenken haben sich als unbegründet herausgestellt.

Personalbedarf

Die Erzieherinnen, die dafür entsprechend geschult wurden, führten vor Ort in den beteiligten Kindergärten das Projekt durch. Aus fünf ausgewählten Kindergärten haben 8 Erzieherinnen teilgenommen. Die Schulung wird von einer Medienpädagogin der Familien-Bildungsstätte Ulm e.V. durchgeführt.

Raumbedarf

In den beteiligten Kindergärten muss der Platz für einen Computerspielplatz vorhanden sein.

Vor Beginn des Projektes müssen Räumlichkeiten zur Schulung der Erzieherinnen ? in diesem Fall der Computerraum und weitere Schulungsräume der Familien-Bildungsstätte Ulm e.V. ? zur Verfügung stehen.

Finanzierung

Kosten entstehen den Kindergärten für die Schaffung eines Computerspielplatzes mit entsprechender Soft- und Hardware und die Anschaffung ergänzender Geräte wie z.B. Scanner, digitale Fotokamera etc.

Eine Multimedia-Station für Kinder, die den heutigen Anforderungen Genüge leisten muss, sollte folgendermaßen ausgestattet sein (diese Angaben sind jedoch nur Empfehlungen, je nach Projekt/Einsatz, beispielsweise Video oder Einsatz neuester Software, können auch besser ausgestattete Geräte benötigt werden):

PC (gebraucht) ab: Prozessor: Pentium II ? 500 MHz, RAM: (Arbeitsspeicher) 64 MB, Festplatte 10 GB, Grafikkarte:16 MB, CD-ROM- Laufwerk: 20x CD-ROM, Soundkarte, Betriebssystem: Windows 98, 150 Euro

PC (neu) ab: PC mit Prozessor 1,4 GHz Celeron oder vergleichbar, 128 MB, Grafik on Bord 32MB, CD-Brenner, Betriebssystem XP-Home, ca. 500 Euro.

Zubehör: Bildschirm neu (Röhrenmonitor, die Ablenkfrequenz sollte mindestens 85 Hz betragen) ca. 120 Euro + Drucker ca. 60 Euro, + Lautsprecher ca. 20 Euro,

Ergänzende Geräte, wie z.B. Scanner (ab ca. 60 Euro), Digitalkamera (ab ca. 110 Euro) können auch später angeschafft werden. Zusätzlich sollten auch noch laufende Kosten für Druckerpatronen einberechnet werden.

Gelder müssen auch für die Schulung der Erzieherinnen zu Beginn des Projektes eingeplant werden. Derzeit betragen die Kosten pro teilnehmender Erzieherin 250,- Euro (Projekt wird gefördert von der Landesstiftung Baden-Württemberg).

Finanziert wurde die Initiative "Spielplatz Computer" von der Familienbildungsstätte Ulm sowie über die Bildungsoffensive der Stadt Ulm (10.000 DM Zuschuss) außerdem durch Sponsoring von Unternehmen, die Hardware mit einer geringen Eigenbeteiligung der Kindergärten (760 DM) und Software kostenfrei zur Verfügung stellten.

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